Januar-Kommentar im Informationsheft

Werte Mitglieder,
werte Leserinnen und Leser,

neues Jahr und neue Probleme oder neues Jahr und alte Probleme? Wie hätten wir es gerne? Sind wir doch mal ehrlich, einen Jahresstart ohne alte und neue Probleme hätten wir uns alle mehr als verdient. Daraus wird nur leider wenig werden, denn nach allem, was wir in den letzten Tagen des vergangenen Jahres noch auf dem Tisch hatten, ist davon auszugehen, dass das ein frommer Wunsch auf allen Ebenen bleibt.

Die Herausforderungen bleiben für uns alle nicht nur enorm, komplex und vielfältig, sie sind eine dauerhafte mentale Kraftanstrengung. Politisch wird zu wenig abgeräumt und vor allem der Wirtschaft das Wirtschaften zu wenig erleichtert – deshalb ist alles so anstrengend und teilweise perspektivenbefreit. Das wäre die einfache Botschaft, nur die allein reicht als Erklärung nicht aus.

Es fehlt eine größere inhaltliche Klammer einer künftigen Agrarpolitik für die ländlichen Räume. Von Visionen muss man nicht gleich sprechen, aber einer Aufbruchstimmung produzierenden Story, hinter der man die Branche versammeln kann. Nur da findet sich derzeit eher eine Leerposition. Stattdessen arbeiten wir in unendlichen Abstimmungsrunden an vielen politischen und verbandlichen Baustellen im täglichen Klein-Klein.

Diese übergreifende Zukunftserzählung muss, wenn sie entstehen soll, auch unter Einbezug der aktuellen Jugend auf dem Lande geschrieben werden, damit diese ihre künftigen Rahmenbedingungen mitgestaltet. Dass das schwierig ist, in einer realen Phase des wirtschaftlichen Umbruchs an vielen Fronten, mag unbestritten sein. Und dass es inhaltlich anstrengend sein wird, ebenso. Wir können aber auch nicht so weitermachen, denn sonst kommen wir aus dem gesellschaftlichen und medialen Dauerstimmungstief nicht raus.

Dass wir heute auch ökonomisch da sind, wo wir sind, hat sehr viel mit der Verteilungs- und Auflagenpolitik der Vergangenheit zu tun. Mit einer Politik, die Ansporn und Tatkraft in der Wirtschaft so weit an die Kette gelegt hat, dass schon größere Unternehmen die Bürokratiekosten nicht mehr tragen wollen und hier ihre Zelte abbrechen und woanders auf der Welt neu anfangen, wenn sie können. Oder aber schlimmstenfalls in Insolvenz gehen, weil die Produktionskosten nicht mehr in den Griff zu bekommen sind und Märkte wegbrechen.

Um im größeren Kontext zu bleiben: Europa droht den ökonomischen und politischen Anschluss zwischen den Polen im Westen und Osten der Welt zu verlieren und muss sich mehr als dringend abseits von innereuropäischen oder nationalen Befindlichkeiten strategisch neu und gut aufstellen. Eigentlich schon länger bekannt, nur leider bisher nicht erfolgt.

Das ist nicht zuletzt ein Ergebnis von Misstrauenspolitik gegenüber dem unternehmerischen Bürger und einer über Dekaden kultivierten antikapitalistischen und unternehmerfeindlichen Einstellung in Teilen der Gesellschaft, befeuert und begleitet durch einen Teil der auflagengetriebenen Medienlandschaft.

Die Gefahr einer Ausrichtung liegt immer in der Übertreibung in eine Richtung und zu merken ist, dass das Pendel umschlägt und Bürger es nicht mehr ertragen wollen, sich für jeden kleinen Schritt rechtfertigen zu müssen. Wir wollen nur hoffen, dass der Pendelausschlag in die andere Richtung nicht zu ebensolchen Übertreibungen führt und wir auf dem Weg der vertretbaren Mitte bleiben. Nur mit diesem werden wir eine vernünftige Zukunft organisieren können. Lassen sie uns daran arbeiten und sorgen sie mit dafür, dass die Tatkräftigen und bestenfalls positiv eingestellten das Land voranbringen.

 

Marcus Rothbart
Hauptgeschäftsführer des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

Blick ins Heft:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das komplette Informationsheft finden Mitglieder in den kommenden Tagen in der Briefpost oder vorab im Mitgliederportal.