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Archiv für die Kategorie: Allgemein

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"Sachsen-Anhalt Countdown" – Anmeldung ab jetzt möglich

15. Juli 2026/in Agrarpolitik / Verbandsarbeit, Allgemein/von Erik Hecht
Einladung zum 2. Verbändedialog 2026

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt laden der Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. und weitere Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände zum 2. Verbändedialog 2026 ein. Unter dem Motto „Sachsen-Anhalt Countdown – Fragen an die Spitzenkandidaten“ findet die Veranstaltung am 4. August 2026 von 11:30 bis 14:30 Uhr auf dem Gelände der Firma Fliesen Ernst in Magdeburg statt. Im Mittelpunkt stehen zentrale Zukunftsthemen wie Bürokratieabbau, Fachkräftemangel, Demografie und Bildung.

Die Veranstaltung bietet Unternehmen und Verbandsmitgliedern die Gelegenheit, mit Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien sowie dem BSW direkt ins Gespräch zu kommen, Fragen aus der Praxis einzubringen und die Positionen der Parteien kennenzulernen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, empfehlen wir eine frühzeitige Anmeldung, über die Webseite des Baugewerbeverbandes: https://www.bgv-vdz.de/veranstaltungen/2-verbaendedialog-2026.html

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/07/IMG-20260708-WA0008.jpg 1254 1254 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2026-07-15 08:34:572026-07-15 08:35:06"Sachsen-Anhalt Countdown" – Anmeldung ab jetzt möglich

Juli-Kommentar im Informationsheft

1. Juli 2026/in Allgemein/von BVSt

Werte Mitglieder,
werte Leserinnen und Leser,

die Bundesrepublik schaut auf Sachsen-Anhalt!

In diesen stark komprimierten Satz kann man die zahlreichen Anfragen und Diskussionen rund um die anstehende Landtagswahl am 06.09.2026 fassen. Grundlage dafür sind die bisherigen Ergebnisse aus Wahlumfragen, zahlreiche Einschätzungen von Meinungsbildnern bis hin zu besorgten Äußerungen von Mitbürgern über die Zukunft des Bundeslandes.

Aktuell stehen wir im Land bei einem satten Vorsprung der AfD, der sich in einer ähnlichen Form vermutlich auch an der Wahlurne manifestieren wird. Trotzdem bleibt immer der Wahlabend abzuwarten, denn der Wahlkampf wird die kommenden Wochen noch mehr Fahrt aufnehmen und die Vergangenheit beweist, dass es manche unerwarteten Wendungen geben kann. Wo liegen eventuelle Erklärungen für das prognostizierte Wahlverhalten, das voraussichtlich so deutlich eine neue führende Regierungspartei bringen wird?

Zum einen ist es eine tief reichende gefühlte Unzufriedenheit mit dem bisherigen politischen Agieren. Wir sind über viele Jahre darauf trainiert, dass es kompromissbehaftete politische Koalitionen in einem breiter werdenden Parteienumfeld gibt. Das ist immer mühsam und nie schnell genug, sichert final aber Mehrheitsentscheidungen in Parlamenten ab. Nur Kompromisse sind nicht mehr in Mode, das Phänomen kennen wir alle bis in den Privatbereich hinein. Schwarz-Weiß-Denken in der eigenen Bubble braucht keine Kompromisse, man selbst hat Recht und der andere eben nicht. Diskutieren und schwierige, aber tragfähige Kompromisse aushandeln ist uns ziemlich abhandengekommen. Transportiert man das auf die politische Ebene, so hat eine Alleinregierung aus Sicht vieler Bürger einen erheblichen Charme, da dann augenscheinlich keine Kompromisse mehr zu machen sind. Dann kann endlich durchregiert werden und Politik wieder handlungsfähig agieren. Es ist erheblicher und oftmals berechtigter Unmut vorhanden, etwa über bürokratische Auswüchse, aber garantiert wird nicht alles einfacher, wenn nur eine Partei regiert. Dafür sind die vielfältigen Wechselwirkungen und Abhängigkeiten mit Wirtschaft und Gesellschaft, anderen Bundesländern, dem Bund und Europa zu komplex. Das eine Alleinregierung je nach Ausrichtung zudem erheblichen wirtschaftlichen Schaden für ein Land anrichten kann, das wird gerne ausgeblendet oder übergangen.

Zum anderen, in einer weiteren Dimension, ist das getrennte Empfinden von persönlicher und gesellschaftlicher Lage zu beachten. So geht es auf Nachfrage vielen Bürgern wirtschaftlich privat vernünftig bis gut, aber die allgemeine Lage wird als schlecht wahrgenommen. Obwohl man selbst regelmäßig in Urlaub fahren kann, ein Dach über dem Kopf hat, Kühlschränke gefüllt sind, der Strom im Land nicht ausfällt und der Grill im Sommer kaum abkühlt, haben viele Mitmenschen den Eindruck, dass ansonsten alles den Bach runtergeht. Diese schlechte Bewertung der Gesamtlage wird uns tatsächlich jeden Tag gut vor Augen geführt und ist eine typisch deutsche Eigenschaft. Keine Tageszeitung und kein Fernsehsender kommen ohne schlechte Nachrichten aus, jeden Tag wird komplexes Regierungshandeln medial ins Negative gezogen. Dass Oppositionsparteien sich in ihrem Geschäftsmodell stets und ständig an den schlecht regierenden Regierungsparteien abarbeiten, daran sind wir alle gewöhnt. Auf der Strecke bleiben oft positiv in die Zukunft gerichtete Gegenvorschläge. Das alles in Summe macht was mit den Menschen. Vertrauen in politische Führung erodiert und der, der Verantwortung übernimmt, steht im selbstgewählten Dauerfeuer. Dass eine Opposition überhaupt in Regierungsverantwortung kommen will, um ein Land im selbst projizierten Untergang zu führen, das mag man gar nicht mehr verstehen. Schließlich ist man dann künftig selbst für die schwere bis scheinbar katastrophale Lage politisch zuständig.

Ein weiterer nicht zu unterschätzender Faktor ist, dass die Dichte an Organisationen wie Kirchen, Vereinen, Parteien und Stiftungen sowie die persönlichen Beteiligungen bis Mitgliedschaften in genannten Organisationen bereits gering sind und weiter abnehmen. Immer weniger dauerhaft engagierte Mitmenschen erleben in ihrem Alltag, dass sie sich mit anderen Gruppen um gute Kompromisse bemühen müssen. Es fehlt damit ein breit verankerter Bezug zu politisch notwendigen Abwägungsprozessen über alle Ebenen und der persönliche Kontakt zu Entscheidungsträgern. Dieser Kontakt muss persönlich sein und lässt sich nicht über digitale Medien ersetzen.

Egal wie es im September ausgeht: Für Sachsen-Anhalt wird es eine schicksalhafte Wahl werden. Was wir brauchen, ist eine handlungsfähige Regierung, die in der Lage ist, das Land zusammenzuhalten. Es stehen viele Aufgaben an, da braucht es Sicherheit und Handlungsfähigkeit auf allen Ebenen. Wir als Wähler haben es in der Hand, in einem demokratischen Wahlvorgang unsere individuelle Entscheidung zu treffen und damit übernimmt jeder für sich und das Land auch Verantwortung.

 

Marcus Rothbart
Hauptgeschäftsführer des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

Blick ins Heft:

 

Das komplette Informationsheft finden Mitglieder in den kommenden Tagen in der Briefpost oder vorab im Mitgliederportal.

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/06/2026-07_Cover.jpg 1697 1200 BVSt https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg BVSt2026-07-01 01:58:002026-06-30 09:02:23Juli-Kommentar im Informationsheft

Juni-Kommentar im Informationsheft

1. Juni 2026/in Allgemein/von BVSt

Werte Mitglieder,
werte Leserinnen und Leser,

das erste Jahr der Bundesregierung liegt hinter uns – und damit auch ein Jahr, in dem viele landwirtschaftliche Betriebe auf spürbare Verbesserungen der politischen Rahmenbedingungen gehofft haben. Tatsächlich sind erste Schritte erkennbar, die zeigen, dass Anliegen aus dem ländlichen Raum stärker wahrgenommen werden. Die Abschaffung der Stoffstrombilanz, die Wiedereinführung der Agrardieselrückerstattung, Entlastungen bei Meldepflichten sowie die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht sind wichtige Signale. Sie zeigen, dass fachliche Argumente und der gemeinsame Einsatz vieler Landwirte Wirkung entfalten können.

Dennoch bleibt die Gesamtbilanz aus Sicht der Landwirtschaft verhalten. Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, um die wirtschaftlichen Herausforderungen der landwirtschaftlichen Unternehmen spürbar zu entschärfen. Steigende Energie- und Lohnkosten, hohe Anforderungen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz sowie zunehmend volatile Märkte setzen die Unternehmen weiterhin unter erheblichen Druck. Gleichzeitig erfüllen unsere Betriebe in der Produktion sehr hohe Standards bei Tierwohl, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit. Wir sind bereit, diese Verantwortung zu tragen und unsere Betriebe weiterzuentwickeln. Dafür brauchen wir jedoch Planungssicherheit, verlässliche politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Perspektiven.

Gerade die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie wichtig eine starke heimische Landwirtschaft ist. Globale Krisen und gestörte Lieferketten haben wiederholt gezeigt, dass Ernährungssicherheit keine Selbstverständlichkeit ist. Umso wichtiger ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft zu stärken. Bürokratieabbau darf deshalb kein Schlagwort bleiben, sondern muss in der Praxis konsequent umgesetzt werden.

Wie Unternehmer ihre Betriebe stetig an neue Herausforderungen anpassen müssen, ist auch die Bundesregierung gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Entwicklung ermöglichen statt behindern. Die Landwirtschaft braucht mehr Vertrauen, mehr Verlässlichkeit und mehr Mut zu politischen Entscheidungen. Unsere Betriebe leisten täglich ihren Beitrag für Versorgungssicherheit, den ländlichen Raum sowie Klima- und Umweltschutz. Jetzt braucht es eine Politik, die diesen Einsatz nicht nur anerkennt, sondern aktiv unterstützt. Der angesprochene Bürokratieabbau ist dafür wichtig. Sogar noch wichtiger ist aber, dass der angekündigte Politikwechsel für die Landwirtinnen und Landwirte spürbar wird.

 

Olaf Feuerborn
Präsident
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

Blick ins Heft:

 

Das komplette Informationsheft finden Mitglieder in den kommenden Tagen in der Briefpost oder vorab im Mitgliederportal.

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/06/2026-06_Cover.jpg 1697 1200 BVSt https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg BVSt2026-06-01 07:58:052026-06-01 07:58:05Juni-Kommentar im Informationsheft

Ehrenamt belebt das Land!

23. Mai 2026/in Allgemein/von Erik Hecht

Am 23. Mai 2026 feiert Deutschland erstmals den Ehrentag. Aufgerufen hat dazu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Unter dem Motto „Für dich. Für uns. Für alle.“ steht an diesem Tag das ehrenamtliche Engagement im Mittelpunkt, das unsere Gesellschaft zusammenhält und lebenswerte ländliche Räume erst möglich macht.

Bauernpräsident Olaf Feuerborn betont: „Ehrenamt ist ein unverzichtbarer Baustein für ein starkes Miteinander und ein lebendiges Land. Es stärkt das soziale Miteinander in unseren Dörfern und schafft Identität und Zusammenhalt. In der Landwirtschaft wissen wir: Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern. Packen wir es an!“

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt dankt allen Mitmenschen, die sich Tag für Tag ehrenamtlich engagieren. Ohne dieses Engagement gäbe es viele Angebote in unseren Dörfern und Gemeinden nicht. Auch viele Landwirtinnen und Landwirte bringen sich über ihren Betrieb hinaus ein, sei es in Vereinen, bei Festen oder in der Nachbarschaftshilfe.

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/05/maky_orel-shaking-hands-930178-scaled.jpg 1869 2492 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2026-05-23 08:36:102026-05-22 13:39:45Ehrenamt belebt das Land!

Mai-Kommentar im Informationsheft

1. Mai 2026/in Allgemein/von BVSt

Werte Mitglieder,
werte Leserinnen und Leser,

das Arbeiten mit und an der Natur begleitet Landwirte und den ländlichen Raum seit jeher. Während frühere Generationen entbehrungsreich Land urbar und fruchtbar gemacht haben und trotzdem oft in Armut knapp sich selbst versorgen konnten, sind seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts sehr viele arbeitsteilige Prozesse zum Wohl der gesamten Gesellschaft umgesetzt worden. So ist der heute fast verschwindend geringe Anteil an Landwirten hochproduktiv und in der Lage, die Ernährungsgrundlagen in vielen Bereichen komplett zu sichern und damit für friedliche Lebensbedingungen in unserem Land zu sorgen. Nur wer keinen Hunger leidet, der kann sich anderen Themen der Existenzsicherung und des Lebens widmen.

Bei wirtschaftlicher Existenzsicherung fällt vielen Betrieben auf, dass ihre zum eigenen Wirtschaften und Leben – zum Leben aller anderen Gesellschaftsteile ebenso – nötigen landwirtschaftlichen Flächen immer stärker überplant wurden und werden. Die seit den 90er Jahren einsetzenden Entwicklungen mit Natura 2000 und integrierten FFH- und SPA-Gebieten sind vielen gut im Gedächtnis, weil damit die großflächige, strukturierte Überplanung des ländlichen Raums begonnen hat. Flächen, die durch landwirtschaftliche Nutzung in einen schützenswerten Zustand entwickelt wurden, sind hierdurch als schutzwürdig eingestuft geworden, mit Einschränkungen in der Nutzung und der bilanzrechtlichen Bewertung. Das ehemalige Versprechen, dass sich dadurch nichts in der künftigen Bewirtschaftung ändern wird, wurde nicht eingehalten und prägt die Einstellungen und Haltungen unserer heutigen Zeit.

Landwirte wissen, dass Natur dynamisch ist, dass sie eine hohe Verantwortung für diese haben und dass nicht immer alles gelingen kann, was man geplant hat. Das gehört zum Beruf und besonders die natürlichen Risiken sind einkalkuliert. Dafür gibt es umso mehr stille Dankbarkeit, wenn Ernten gelingen oder Erfolg im Stall und auf der Weide vorhanden sind. Zu einem unkalkulierbaren Berufsrisiko ist jedoch der Aufwuchs an Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien in der Naturschutzpolitik geworden. Bei allem Verständnis für viele einzelne Maßnahmen: Die gebündelte Wucht ist für die Mehrheit zu viel. Aus diesen Gründen trifft die verabschiedete europäische Wiederherstellungsverordnung, aus einem falsch justierten, rückwärtsgewandten Green Deal entstanden, auf deutliche Ablehnung. Zurück in die Vergangenheit wollen wir nicht mehr.

Das neueste Beispiel auf Bundesebene ist das geplante Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur. Die vorgesehene Priorisierung von Natur- und Klimaschutz zuungunsten der Landwirtschaft ist schlicht nicht akzeptabel. Das kann man als Berufsstand nur ablehnen, da es wieder im alten Duktus der Landnahme landwirtschaftlicher Fläche abläuft. Und das will die Mehrheit im ländlichen Raum nicht mehr.

Es fehlt an Ausgewogenheit. Exemplarisch: Wir haben ungleich verteilte Klagerechte für Umweltverbände, die damit alles an Fortschritt im Land zum Stillstand bringen können und das teilweise auch so vollführen. Es gibt Abstandsregelungen an Gewässern, die in Jahrzehnten kein Wasser führen, einen Teppich an Produktionsauflagen in Hanggebieten, wir haben Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete und Vogelschutzgebiete. Moore, die einem jahrhundertealtem Wassermanagement unterliegen, sollen strikt wiedervernässt werden, um dort Paludikulturen zu entwickeln, in dem Zuge verschwinden produktive Milchkühe aus der Landschaft. Wir haben ein Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, mit dem man ungeniert aus Steuergeldern Wälder zur Stilllegung rauskauft. Gänse und Biber können sich ungestört ausdehnen und Landwirte bezahlen das ohne Entschädigung, es gibt Kompetenzzentren für Biber und für Wölfe. Im Nationalen Naturerbe wurden Flächen der BVVG nicht selten kostenlos an Umweltverbände übertragen und niemand kann und will offen sagen, wie viele Flächen es nun am Ende in welcher Struktur bei welchem neuen Eigentümer sind. Dass für geschenkte Flächen sogar Pachteinnahmen erzielt werden können, fällt da schon nicht mehr auf.

Vielen Landwirten fällt negativ auf, dass ihr betrieblicher Gestaltungsraum auf der Fläche immer weiter verengt wird. Landwirte sind, als Experten für den Umgang mit der Natur, gerne kooperative Partner von Anfang bis Ende. Ernstgemeinter Dialog fängt jedoch am Beginn an und nicht, wenn alle Messen gesungen sind. Dann wirkt das Angebot zum Dialog wie ein Feigenblatt.

Verantwortliche Politik hat die Aufgabe, ausbalancierte Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet, alle Gesellschaftsgruppen einzubinden und auch allen etwas abzuverlangen. Geschieht das über einen längeren Zeitraum nicht, dann muss Politik, müssen Parteien die Einsicht und Fähigkeit entwickeln, Korrekturen vorzunehmen, um Wähler nicht dauerhaft zu verprellen. Und auch dann, wenn das eigene Wählerklientel nicht primär davon profitiert.

 

Marcus Rothbart
Hauptgeschäftsführer des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/04/2026-05_Cover-1.jpg 1697 1200 BVSt https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg BVSt2026-05-01 00:02:262026-04-30 11:04:20Mai-Kommentar im Informationsheft

April-Kommentar im Informationsheft

1. April 2026/in Allgemein/von BVSt

Liebe Berufskolleginnen
und -kollegen, lieber Leser,

auf der agra in Leipzig wird im April sichtbar, wie viel Innovationskraft in der Landwirtschaft steckt. Moderne Landtechnik, digitale Anwendungen und intelligente Verfahren zeigen dort, wie stark sich der Ackerbau weiterentwickelt. Diese Fortschritte sind keine technische Spielerei. Sie sind eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass landwirtschaftliche Betriebe unter immer anspruchsvolleren Bedingungen auch künftig erfolgreich wirtschaften können.

Denn der Ackerbau steht durch Wetterextreme, längere Trockenphasen, neue Schädlingssituationen und veränderte Krankheitsverläufe vor großen Herausforderungen. Wir wollen gleichzeitig hochwertige Lebensmittel erzeugen, Umwelt und Ressourcen schonen und wirtschaftlich tragfähig bleiben. Dieser Anspruch ist berechtigt. Er kann aber nur erfüllt werden, wenn den Betrieben dafür auch die notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stehen. Das gilt besonders für den Pflanzenschutz. Gerade hier zeigt sich, wie weit politische Debatten und betriebliche Realität oft auseinanderliegen. Auf dem Feld entscheidet nicht ein allgemeines Leitbild über den Handlungsbedarf, sondern die konkrete Situation vor Ort. Jeder Standort ist anders. Boden, Witterung, Fruchtfolge, Krankheitsdruck und Schädlingsaufkommen unterscheiden sich erheblich. Deshalb brauchen Landwirtinnen und Landwirte Rahmenbedingungen, in denen sie auf Grundlage ihrer fachlichen Bewertung verantwortlich handeln können.

Pflanzenschutz ist kein Selbstzweck. Er dient dazu, Pflanzen gesund zu erhalten. Wer Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen und Konkurrenz durch Unkräuter schützt, sichert nicht nur die Ernte, sondern schützt auch die Ressourcen, die zuvor in den Bestand investiert wurden. Saatgut, Düngung, Arbeit, Energie und Wasser verlieren ihren Wert, wenn Erträge am Ende nicht abgesichert werden können. Umso problematischer ist es, dass das Instrumentarium im Pflanzenschutz so eingeschränkt ist. Viele Betriebe erleben, dass Wirkstoffe wegfallen und der Handlungsspielraum kleiner wird, während die Risiken im Ackerbau eher zunehmen. Gerade in solchen Situationen braucht es keine pauschalen Vorgaben, sondern praxistaugliche Regeln, die die Fachlichkeit in den Betrieben ernst nehmen.

Weiter gefasste Rahmenbedingungen bedeuten dabei nicht weniger Verantwortung. Sie bedeuten, dass Entscheidungen dort getroffen werden können, wo das Schadgeschehen tatsächlich sichtbar wird: auf dem Feld. Landwirtinnen und Landwirte kennen ihre Flächen, ihre Kulturen und ihre örtlichen Bedingungen. Sie müssen deshalb die Möglichkeit behalten, auf konkrete Entwicklungen angemessen zu reagieren, wenn dies fachlich notwendig ist.

Natürlich liegt die Zukunft nicht allein im klassischen Pflanzenschutz. Neue Sorten, präzisere Technik, Sensorik, Digitalisierung und teilflächenspezifische Anwendungen bieten große Chancen, Mittel gezielter und sparsamer einzusetzen. Genau darin liegt der richtige Weg: im Zusammenspiel von Innovation, Wissen und Praxiserfahrung. Aber diese Bausteine ergänzen den chemischen Pflanzenschutz, sie ersetzen ihn nicht.

Wer von der Landwirtschaft erwartet, dass sie produktiv, nachhaltig und widerstandsfähig arbeitet, muss ihr deshalb auch die passenden Mittel und den nötigen Handlungsspielraum zugestehen. Fortschritt braucht Innovation. Fortschritt braucht Fachlichkeit. Und Fortschritt braucht Vertrauen in diejenigen, die täglich auf dem Acker Verantwortung tragen.

 

Sven Borchert
1. Vizepräsident des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/03/2026-04_Cover.jpg 1697 1200 BVSt https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg BVSt2026-04-01 00:01:282026-03-31 07:56:48April-Kommentar im Informationsheft

März-Kommentar im Informationsheft

1. März 2026/in Allgemein/von BVSt

Werte Mitglieder, werte Leserinnen und Leser,

ein gutes halbes Jahr vor der Landtagswahl hat sich unsere Landesregierung neu aufgestellt. Was im Sommer letzten Jahres noch nicht absehbar und nicht geplant war, wurde nun vollzogen, nämlich der vorzeitige Amtswechsel im Amt des Ministerpräsidenten. Neben der erfolgreichen Wahl von Sven Schulze wurde entschieden, dass das Amt des Ministers für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten für den auslaufenden Rest der Legislatur in Personalunion von Finanzminister Michael Richter übernommen wird. Eine Entscheidung, die man immer von zwei Seiten aus betrachten kann und die mehrheitlich für erhebliche Verwunderung und Diskussionen besonders unter Landwirten und im ländlichen Raum geführt hat. Landwirte sind da sensibler als man so denkt.

Nicht dass man dem Finanzminister, der mit der Führung mehrerer Ministerien schon Erfahrung hat, eine weitere Hausleitung nicht zutraut. Es ist eher das unterschwellige Störgefühl, dass man keines wirklich eigenen Ministers mehr bedarf und die vielfältigen Themen der Landwirtschaft scheinbar nebenbei abgewickelt werden können. Was aufgrund der Themenbreite und Herausforderungslagen der Branche nicht funktionieren wird, sondern derzeit eher maximalen Fokus verlangt. Dass trotzdem alles weiter seinen politischen und verwaltungstechnischen Gang geht und das Ministerium nur an der Spitze eine Veränderung erfahren hat, das muss als Gegenargument dazu angebracht werden. Und ob eine neue Person als Minister bis faktisch nur zur Sommerpause viel hätte bewirken können, das andere.

Es wäre jedoch ein sichtbares personelles Signal gewesen, dass man es sehr ernst meint mit dem ländlichen Raum und auch keine Luft an das Ministerium lässt, dass par excellence ein Ministerium für den ländlichen Raum ist. Wie so vieles im Leben ist gute und offene Kommunikation der Landespolitik nun von Nöten, um die Diskussionen gründlich einzufangen und klar zu signalisieren, dass man sich wie bisher auf allen Ebenen bis hin zur Staatskanzlei für unsere Belange einsetzen wird. Diese Botschaft muss bei Landwirten ankommen, die als Multiplikatoren erhebliches Wählerpotential aufweisen.

Die eingangs erwähnte Sensibilität von Landwirten für politische Aktivitäten greift ebenso in der aktuellen wirtschaftlichen Lage und ist eine Chance für das zuständige Ministerium, sich zu profilieren. Bis auf wenige besser laufende Produktsparten wie Geflügel und Rinder arbeiten im Gegensatz dazu Marktfrüchte, Kartoffeln, Zuckerrüben, Milch und Schwein und auch Biogas in wirtschaftlich schwieriger See mit vor allem beim Getreide wenig Aussicht auf nötige Erlössteigerungen. Der Weltmarkt gibt gerade und auf längere Sicht nichts her und parallel ist Mineraldünger preislich sehr teuer. Von den weiter steigenden CO²-Kosten und Dieselpreisen noch gar nicht gesprochen plus permanenter Anpassungen bei Löhnen. Das Ende der Fahnenstange möglicher weiterer finanzieller Belastungen ist mehr als erreicht und es gibt Signale, dass etliche Betriebe in einer Liquiditätskrise sind und Mühe haben werden, die nächste Ernte finanziell zu erreichen. Die Beschreibung geht über das der Branche anheftende Lamenti hinweg, dass es nie gut läuft, denn diese Situation ist tatsächlich anders. Die nun unter Landwirten teilweise aufkommenden Diskussionen um nötige Pachtpreisanpassungen an die wirtschaftlichen Realitäten zeigen, dass es ernst ist. Diese kämen, aber wenn mit so viel Verzug erst an, dass sie nicht wirklich zügig wirksam werden. Das Beispiel zeigt deutlich auf, dass es wirklich kompliziert ist und teilweise schon brennt auf den Betrieben.

In dieser Situation wäre es angebracht, die Partner der Branche zusammen zu bringen, um auszuloten, wo landesseitig Unterstützung geleistet werden kann. Seitens der Politik können es Maßnahmen sein, die unnötige kostenträchtige Verschärfungen mindestens aussetzen, die TA-Luft sei exemplarisch genannt, aber auch generell alles, was auf den Betrieben Kosten in der Verwaltung verursacht. Gleichzeitig müssen mindestens Berufsstand, Handel und Banken mit an Bord, faktisch ein zeitnaher Wirtschaftsgipfel für die Landwirtschaft. Landwirte sind nicht nur sensibel, sondern auch realistisch. Sie wissen, dass sie schon auch selbst aktiv werden müssen für ihre Betriebe, aber registrieren, wenn man sich versucht politisch landesseitig federführend zu kümmern. Dieses Signal und Format wäre eine Chance, um die eingangs zitierten Störgefühle zu reduzieren.

 

Marcus Rothbart
Hauptgeschäftsführer des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/02/2026-03_Cover.jpg 1697 1200 BVSt https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg BVSt2026-03-01 00:01:222026-02-27 10:33:25März-Kommentar im Informationsheft

Februar-Kommentar im Informationsheft

1. Februar 2026/in Allgemein/von BVSt

Liebe Berufskolleginnen und -kollegen, liebe Leserinnen und Leser,

Frauen gehören zur Landwirtschaft: Sie prägen Familien, Betriebe und ländliche Räume. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum „International Year of the Woman Farmer“ erklärt. Das ist ein wichtiges Signal. In Sachsen-Anhalt sind 11 Prozent der Betriebsleiter Frauen. Noch öfter sind sie Mitunternehmerinnen und besonders oft halten sie im Alltag vieles zusammen, was nach außen nicht sichtbar ist.

Diese Sichtbarkeit ist jedoch wichtig, nicht als Symbol, sondern als Anerkennung für echte Leistung. Unsere Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt ist stark, weil viele Frauen Verantwortung übernehmen. Sie entscheiden mit, sie organisieren, sie führen Mitarbeitende. Sie kümmern sich um Tiere, Äcker, Buchführung, Vermarktung und Ausbildung. Sie bringen neue Perspektiven auf die Höfe und sie sorgen dafür mit, dass Betriebe zukunftsfähig bleiben.

Trotzdem gibt es Punkte, bei denen wir als Gesellschaft und auch innerhalb der Branche genauer hinschauen müssen. Ein sehr wichtiges Thema ist die soziale Absicherung. Frauen arbeiten häufig über Jahre und Jahrzehnte im Betrieb mit, nicht immer ist das verlässlich in der Altersvorsorge abgebildet. Die Alterssicherung der Landwirte ist ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge, der sowohl Landwirtinnen, Ehepartnerinnen als auch mitarbeitende Familienangehörige absichert. Allerdings ist die Alterssicherung der Landwirte nur ein Baustein, der bei weitem nicht ausreicht, um ein auskömmliches Leben im Alter sicherzustellen.

Das ist ein Risiko und einer Lebensleistung nicht gerecht. Häufig hört man den Einwand, dass der Betrieb die Altersvorsorge sei. Das Argument ist nachvollziehbar, aber von den besten Jahren bis zum Altenteil kann viel passieren. Sollte beispielsweise der Ehepartner zu früh verscheiden, oder die Erben wollen oder können den Hof nicht übernehmen, wird es schwierig. Wer täglich Verantwortung trägt, muss später auch ausreichend abgesichert sein. Hier brauchen wir mehr Bewusstsein und wir brauchen Lösungen.

Das UN-Jahr soll mehr sein als ein Motto, es sollte Gespräche anstoßen. In Familien. In Betrieben. In der Politik. In Verbänden. Es geht um Wertschätzung, es geht um faire Rahmenbedingungen. Es geht auch um die Frage, wie wir Talente halten und gewinnen. Denn ohne Frauen fehlt uns ein großer Teil der Kompetenz, der Erfahrung und der Zukunftskraft in der Landwirtschaft.

Ich wünsche mir, dass wir Frauen in allen Bereichen der Landwirtschaft noch sichtbarer werden. Dass die Bedeutung der Frauen in der Landwirtschaft gestärkt wird. Vor allem aber wünsche ich mir, dass daraus konkrete Schritte in diese Richtung folgen. Damit Frauen in der Landwirtschaft nicht nur mitarbeiten, sondern als gleich anerkannt und abgesichert ihren Platz haben. Und ich wünsche uns allen, dass noch mehr junge Frauen sich in Verbänden und Gremien einbringen, um ihre Perspektiven einzubringen. Denn das ist ein Gewinn für unsere Betriebe, die Landwirtschaft und den gesamten ländlichen Raum.

 

Katrin Beberhold
Vizepräsidentin des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/02/2026-02_Cover.jpg 1697 1200 BVSt https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg BVSt2026-02-01 00:02:062026-01-29 10:11:58Februar-Kommentar im Informationsheft

Bauernverband kritisiert Mercosur-Abkommen

8. Januar 2026/in Allgemein/von Erik Hecht

Der Bauernverband sieht das geplante Mercosur-Abkommen sehr kritisch. DBV-Präsident Joachim Rukwied betont: „Dieses Abkommen hat zweifellos Bedeutung für die deutsche Wirtschaft, darf aber keinesfalls zu Lasten der deutschen Landwirtschaft gehen. Damit würden wir zukünftig Lebensmittel importieren, die mit deutlich niedrigeren Tierwohl-, Umwelt- und Sozialstandards erzeugt wurden. Diese sind in Deutschland schon lange überholt. Das Ziel der EU, die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft zu stärken, rückt mit diesem Abkommen in weite Ferne. Die EU-Agrarminister müssen die letzte Chance jetzt nutzen!“
Aus Sicht des Bauernverbandes drohen durch das Abkommen spürbare Markteffekte. Da in den Mercosur-Staaten deutlich geringere Tierwohl-, Umwelt-, Klima- und Sozialstandards gelten, ist die Produktion dort oft günstiger. Erwartbar sind daher Wettbewerbsverzerrungen, etwa bei Rindfleisch, Geflügel und Zucker, auch wenn die Importe nur 1 bis 2 Prozent der europäischen Produktion ausmachen sollen. In diesen Produktgruppen gibt es innerhalb der EU bereits eine hohe Selbstversorgung. Damit wäre im Markt mehr Ware verfügbar, die zudem billiger produziert wurde.
Der Bauernverband fordert weiterhin die Nachbesserung des Agrarteils. Im Dezember fand in Brüssel eine große Demonstration statt, an der sich tausende Landwirte aus allen EU-Staaten beteiligten. Gefordert wurde unter anderem: Hohe EU-Standards und Ziele müssen im Abkommen verbindlich verankert werden.

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2026/01/eu-parlament-bruessel_pixabay_usareiseblogger.jpg 853 1280 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2026-01-08 17:44:282026-01-09 07:44:41Bauernverband kritisiert Mercosur-Abkommen

Januar-Kommentar im Informationsheft

1. Januar 2026/in Allgemein/von BVSt

Werte Mitglieder,
werte Leserinnen und Leser,

neues Jahr und neue Probleme oder neues Jahr und alte Probleme? Wie hätten wir es gerne? Sind wir doch mal ehrlich, einen Jahresstart ohne alte und neue Probleme hätten wir uns alle mehr als verdient. Daraus wird nur leider wenig werden, denn nach allem, was wir in den letzten Tagen des vergangenen Jahres noch auf dem Tisch hatten, ist davon auszugehen, dass das ein frommer Wunsch auf allen Ebenen bleibt.

Die Herausforderungen bleiben für uns alle nicht nur enorm, komplex und vielfältig, sie sind eine dauerhafte mentale Kraftanstrengung. Politisch wird zu wenig abgeräumt und vor allem der Wirtschaft das Wirtschaften zu wenig erleichtert – deshalb ist alles so anstrengend und teilweise perspektivenbefreit. Das wäre die einfache Botschaft, nur die allein reicht als Erklärung nicht aus.

Es fehlt eine größere inhaltliche Klammer einer künftigen Agrarpolitik für die ländlichen Räume. Von Visionen muss man nicht gleich sprechen, aber einer Aufbruchstimmung produzierenden Story, hinter der man die Branche versammeln kann. Nur da findet sich derzeit eher eine Leerposition. Stattdessen arbeiten wir in unendlichen Abstimmungsrunden an vielen politischen und verbandlichen Baustellen im täglichen Klein-Klein.

Diese übergreifende Zukunftserzählung muss, wenn sie entstehen soll, auch unter Einbezug der aktuellen Jugend auf dem Lande geschrieben werden, damit diese ihre künftigen Rahmenbedingungen mitgestaltet. Dass das schwierig ist, in einer realen Phase des wirtschaftlichen Umbruchs an vielen Fronten, mag unbestritten sein. Und dass es inhaltlich anstrengend sein wird, ebenso. Wir können aber auch nicht so weitermachen, denn sonst kommen wir aus dem gesellschaftlichen und medialen Dauerstimmungstief nicht raus.

Dass wir heute auch ökonomisch da sind, wo wir sind, hat sehr viel mit der Verteilungs- und Auflagenpolitik der Vergangenheit zu tun. Mit einer Politik, die Ansporn und Tatkraft in der Wirtschaft so weit an die Kette gelegt hat, dass schon größere Unternehmen die Bürokratiekosten nicht mehr tragen wollen und hier ihre Zelte abbrechen und woanders auf der Welt neu anfangen, wenn sie können. Oder aber schlimmstenfalls in Insolvenz gehen, weil die Produktionskosten nicht mehr in den Griff zu bekommen sind und Märkte wegbrechen.

Um im größeren Kontext zu bleiben: Europa droht den ökonomischen und politischen Anschluss zwischen den Polen im Westen und Osten der Welt zu verlieren und muss sich mehr als dringend abseits von innereuropäischen oder nationalen Befindlichkeiten strategisch neu und gut aufstellen. Eigentlich schon länger bekannt, nur leider bisher nicht erfolgt.

Das ist nicht zuletzt ein Ergebnis von Misstrauenspolitik gegenüber dem unternehmerischen Bürger und einer über Dekaden kultivierten antikapitalistischen und unternehmerfeindlichen Einstellung in Teilen der Gesellschaft, befeuert und begleitet durch einen Teil der auflagengetriebenen Medienlandschaft.

Die Gefahr einer Ausrichtung liegt immer in der Übertreibung in eine Richtung und zu merken ist, dass das Pendel umschlägt und Bürger es nicht mehr ertragen wollen, sich für jeden kleinen Schritt rechtfertigen zu müssen. Wir wollen nur hoffen, dass der Pendelausschlag in die andere Richtung nicht zu ebensolchen Übertreibungen führt und wir auf dem Weg der vertretbaren Mitte bleiben. Nur mit diesem werden wir eine vernünftige Zukunft organisieren können. Lassen sie uns daran arbeiten und sorgen sie mit dafür, dass die Tatkräftigen und bestenfalls positiv eingestellten das Land voranbringen.

 

Marcus Rothbart
Hauptgeschäftsführer des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

Blick ins Heft:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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