Polit Talk 2026: Parteien diskutieren Zukunft des ländlichen Raumes

Beim Polit Talk 2026 des Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. diskutierten Vertreter der Landespolitik im K6 Seminarhotel Halberstadt über die Zukunft der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes in Sachsen-Anhalt. Vor dem Hintergrund der Landtagswahl im Herbst standen insbesondere die wirtschaftliche Situation der Landwirtschaft, die Zukunft der Tierhaltung, die Agrarförderung sowie Energiepolitik und Bürokratieabbau im Mittelpunkt der rund 90-minütigen Veranstaltung.

Auf dem Podium vertreten waren Sven Schulze (CDU), Daniel Roi (AfD), Wenke Dargel (Die Linke), Dr. Falko Grube (SPD), Dorothea Frederking (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Lydia Hüskens (FDP) sowie Thomas Schulze (BSW).

Die Diskussion zeigte sowohl Unterschiede als auch gemeinsame Positionen der Parteien. Viele Teilnehmer betonten die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen, einer wettbewerbsfähigen Landwirtschaft und einer starken ländlichen Entwicklung. Gleichzeitig wurden kontroverse Fragen rund um Förderpolitik, Tierhaltung, erneuerbare Energien und die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft intensiv diskutiert. Der Polit Talk bot damit erneut eine wichtige Plattform für den direkten Austausch zwischen Politik und Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt.

Ein ausführlicher Beitrag wird im kommenden Informationsheft veröffentlicht.

Tickets für Polit Talk 2026 sichern

 

Organisatorischer Hinweis: Aufgrund des vorhergesagten Wetters wird der Polit Talk 2026 innerhalb der Räume des K6 Seminarhotels stattfinden. Die Anfahrt verändert sich nicht. Ebenso findet der gesamte Ablauf, einschließlich des Grill-Buffets, wie angekündigt statt.

 

Am 11. Mai 2026 findet der Polit Talk des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt statt. Vertreter der Parteien werden zu ihren agrar- und wirtschaftspolitischen Positionen für den ländlichen Raum in einem zügig moderierten Ablauf befragt, wie gewohnt im K6 Seminarhotel in Halberstadt. In rund 90 Minuten werden viele Themen besprochen und Standpunkte der Parteien hinterfragt, vor dem Hintergrund der Landtagswahl im Herbst.

Dieses Jahr im Podium:

  • Sven Schulze (CDU), Ministerpräsident Sachsen-Anhalt und Spitzenkandidat
  • Daniel Roi (AFD), Mitglied des Landtages Sachsen-Anhalt und Kandidat
  • Wenke Dargel (Die Linke), wiss. Mitarbeiterin im Landtag und Kandidatin
  • Dr. Falko Grube (SPD), Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion und Landtagsabgeordneter
  • Susan Sziborra-Seidlitz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Co-Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin
  • Dr. Lydia Hüskens (FDP), Ministerin Sachsen-Anhalt und Spitzenkandidatin
  • Thomas Schulze (BSW), Co-Landesvorsitzender und Spitzenkandidat

Für die Teilnahme ist wie in den Vorjahren der Erwerb eines Tickets erforderlich, bestellbar über die Seite der Agrardienste Sachsen-Anhalt: www.agrardienstesachsenanhalt.de/online-shop/tickets/polit-talk-2026

Ein Jahr Bundesregierung

Ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung sind Schritte in Richtung Entlastung für die Landwirtschaft zu erkennen. Die Abschaffung der Stoffstrombilanz, die Reduzierung von Meldepflichten, die Wiedereinführung der Agrardieselrückerstattung sowie die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht zeigen, dass Forderungen aus dem ländlichen Raum gesehen werden. Doch die umgesetzten Maßnahmen reichen bei Weitem nicht aus, um die existentiellen Herausforderungen der Betriebe zu bewältigen. Steigende Kosten durch Energie und Mindestlohn bei gleichzeitig sinkenden Erzeugerpreisen belasten die Landwirtschaft massiv. Bürokratieabbau und Investitionsanreize müssen konsequenter umgesetzt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Ernährungssicherheit langfristig zu garantieren.

Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V., bewertet: „Die Bundesregierung ist gefordert, ihre angekündigten Reformen mutiger voranzutreiben. Nur mit klaren Rahmenbedingungen, verlässlicher Finanzierung und mehr Vertrauen in die Arbeit der Landwirte können die drängenden Aufgaben gemeinsam bewältigt werden – von Versorgungssicherheit über Tierwohl bis hin zu Klima- und Umweltschutz. Es braucht Geschlossenheit und mehr Taten statt Worte.“

Die unterschiedlichen globalen Verwerfungen der vergangenen Jahre waren in Art und Umfang kaum vorhersehbar. Wie es Aufgabe der Unternehmen ist, ihre Geschäftstätigkeiten stetig anzupassen und weiterzuentwickeln, ist es Aufgabe der Bundesregierung, im In- und Ausland gute Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft zu gestalten. Genau das fordert besonders die Wirtschaft im ländlichen Raum.

Tag der offenen Tür bei der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) Sachsen-Anhalt

Die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) lädt zum Tag der offenen Tür am Hauptstandort Bernburg ein. Unter dem Motto „Schauen, Informieren und ins Gespräch kommen“ erwartet Besucher ein abwechslungsreiches Programm auf der Festwiese vor dem Hauptgebäude.

Highlights:

  • Kräuter-Duftorgel: Entdecken Sie die Welt der Arznei- und Gewürzpflanzen.
  • Interaktive Quizze: Testen Sie Ihr Wissen zu Mais, Pflanzengesundheit und Saatgut.
  • Technik live erleben: Parzellenmähdrescher, Drohnen-Einsatz in der Feldforschung und Einblicke ins Backlabor – hier wird Digitalisierung im Ackerbau greifbar.
  • Feldrundfahrten: Geführte Touren per Traktor und Kremser (11:00 & 13:00 Uhr) mit Expertenvorträgen zu aktuellen Versuchen und regionalen Pflanzenbau-Empfehlungen.

Exklusiver Ausblick: DLG-Feldtage 2026

Vom 16.–18. Juni 2026 finden in Bernburg-Strenzfeld die DLG-Feldtage statt – ein internationales Branchen-Highlight unter dem Leitthema „Pflanzenbau out of the Box“. Die LLG gestaltet die Landespräsentation Sachsen-Anhalts mit dem Motto „Wissen – Praxis – Zukunft“. Nutzen Sie den Tag der offenen Tür, um sich bereits jetzt zu informieren!

Hintergrund

Die LLG ist das Kompetenzzentrum für nachhaltige Landwirtschaft und Gartenbau in Sachsen-Anhalt. Als Fachbehörde des Ministeriums für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten verbindet sie Forschung und Praxis – für eine wettbewerbsfähige und umweltschonende Landwirtschaft.

Gleichzeitig: Hochschulinformationstag der Hochschule Anhalt in Bernburg-Strenzfeld.

Mai-Kommentar im Informationsheft

Werte Mitglieder,
werte Leserinnen und Leser,

das Arbeiten mit und an der Natur begleitet Landwirte und den ländlichen Raum seit jeher. Während frühere Generationen entbehrungsreich Land urbar und fruchtbar gemacht haben und trotzdem oft in Armut knapp sich selbst versorgen konnten, sind seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts sehr viele arbeitsteilige Prozesse zum Wohl der gesamten Gesellschaft umgesetzt worden. So ist der heute fast verschwindend geringe Anteil an Landwirten hochproduktiv und in der Lage, die Ernährungsgrundlagen in vielen Bereichen komplett zu sichern und damit für friedliche Lebensbedingungen in unserem Land zu sorgen. Nur wer keinen Hunger leidet, der kann sich anderen Themen der Existenzsicherung und des Lebens widmen.

Bei wirtschaftlicher Existenzsicherung fällt vielen Betrieben auf, dass ihre zum eigenen Wirtschaften und Leben – zum Leben aller anderen Gesellschaftsteile ebenso – nötigen landwirtschaftlichen Flächen immer stärker überplant wurden und werden. Die seit den 90er Jahren einsetzenden Entwicklungen mit Natura 2000 und integrierten FFH- und SPA-Gebieten sind vielen gut im Gedächtnis, weil damit die großflächige, strukturierte Überplanung des ländlichen Raums begonnen hat. Flächen, die durch landwirtschaftliche Nutzung in einen schützenswerten Zustand entwickelt wurden, sind hierdurch als schutzwürdig eingestuft geworden, mit Einschränkungen in der Nutzung und der bilanzrechtlichen Bewertung. Das ehemalige Versprechen, dass sich dadurch nichts in der künftigen Bewirtschaftung ändern wird, wurde nicht eingehalten und prägt die Einstellungen und Haltungen unserer heutigen Zeit.

Landwirte wissen, dass Natur dynamisch ist, dass sie eine hohe Verantwortung für diese haben und dass nicht immer alles gelingen kann, was man geplant hat. Das gehört zum Beruf und besonders die natürlichen Risiken sind einkalkuliert. Dafür gibt es umso mehr stille Dankbarkeit, wenn Ernten gelingen oder Erfolg im Stall und auf der Weide vorhanden sind. Zu einem unkalkulierbaren Berufsrisiko ist jedoch der Aufwuchs an Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien in der Naturschutzpolitik geworden. Bei allem Verständnis für viele einzelne Maßnahmen: Die gebündelte Wucht ist für die Mehrheit zu viel. Aus diesen Gründen trifft die verabschiedete europäische Wiederherstellungsverordnung, aus einem falsch justierten, rückwärtsgewandten Green Deal entstanden, auf deutliche Ablehnung. Zurück in die Vergangenheit wollen wir nicht mehr.

Das neueste Beispiel auf Bundesebene ist das geplante Gesetz zur Stärkung der natürlichen Infrastruktur. Die vorgesehene Priorisierung von Natur- und Klimaschutz zuungunsten der Landwirtschaft ist schlicht nicht akzeptabel. Das kann man als Berufsstand nur ablehnen, da es wieder im alten Duktus der Landnahme landwirtschaftlicher Fläche abläuft. Und das will die Mehrheit im ländlichen Raum nicht mehr.

Es fehlt an Ausgewogenheit. Exemplarisch: Wir haben ungleich verteilte Klagerechte für Umweltverbände, die damit alles an Fortschritt im Land zum Stillstand bringen können und das teilweise auch so vollführen. Es gibt Abstandsregelungen an Gewässern, die in Jahrzehnten kein Wasser führen, einen Teppich an Produktionsauflagen in Hanggebieten, wir haben Landschaftsschutzgebiete, Naturschutzgebiete und Vogelschutzgebiete. Moore, die einem jahrhundertealtem Wassermanagement unterliegen, sollen strikt wiedervernässt werden, um dort Paludikulturen zu entwickeln, in dem Zuge verschwinden produktive Milchkühe aus der Landschaft. Wir haben ein Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz, mit dem man ungeniert aus Steuergeldern Wälder zur Stilllegung rauskauft. Gänse und Biber können sich ungestört ausdehnen und Landwirte bezahlen das ohne Entschädigung, es gibt Kompetenzzentren für Biber und für Wölfe. Im Nationalen Naturerbe wurden Flächen der BVVG nicht selten kostenlos an Umweltverbände übertragen und niemand kann und will offen sagen, wie viele Flächen es nun am Ende in welcher Struktur bei welchem neuen Eigentümer sind. Dass für geschenkte Flächen sogar Pachteinnahmen erzielt werden können, fällt da schon nicht mehr auf.

Vielen Landwirten fällt negativ auf, dass ihr betrieblicher Gestaltungsraum auf der Fläche immer weiter verengt wird. Landwirte sind, als Experten für den Umgang mit der Natur, gerne kooperative Partner von Anfang bis Ende. Ernstgemeinter Dialog fängt jedoch am Beginn an und nicht, wenn alle Messen gesungen sind. Dann wirkt das Angebot zum Dialog wie ein Feigenblatt.

Verantwortliche Politik hat die Aufgabe, ausbalancierte Entscheidungen zu treffen. Das bedeutet, alle Gesellschaftsgruppen einzubinden und auch allen etwas abzuverlangen. Geschieht das über einen längeren Zeitraum nicht, dann muss Politik, müssen Parteien die Einsicht und Fähigkeit entwickeln, Korrekturen vorzunehmen, um Wähler nicht dauerhaft zu verprellen. Und auch dann, wenn das eigene Wählerklientel nicht primär davon profitiert.

 

Marcus Rothbart
Hauptgeschäftsführer des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

Blick ins Heft:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das komplette Informationsheft finden Mitglieder in den kommenden Tagen in der Briefpost oder vorab im Mitgliederportal.

agra-Messe in Bildern

Foren und Rabatte zur agra-Messe 2026

Vom 9. bis 12. April 2026 wird die Neue Messe Leipzig erneut zu einem wichtigen Treffpunkt für Landwirtschaft, Ernährungswirtschaft und ländlichen Raum. Die agra verbindet fachliche Ausstellung, praktische Einblicke und agrarpolitischen Austausch. Gerade die drei agrarpolitischen Foren zeigen, dass die Messe mehr ist als eine Technik- und Leistungsschau: Sie bietet Raum für Standortbestimmung, Zukunftsfragen und die direkte Diskussion zwischen Branche, Politik und Wirtschaft.

Am Donnerstag, 9. April 2026, von 14:00 bis 15:30 Uhr findet auf der Mehrzweckfläche 4, Ebene 0, im CCL das Forum „Die Europäische Agrarpolitik heute und morgen gemeinsam wettbewerbsfähig, produktiv und widerstandsfähig gestalten“ statt. Im Mittelpunkt stehen die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik, die Finanzierung landwirtschaftlicher Entwicklung, Fragen der Wettbewerbsfähigkeit sowie die künftige Ausrichtung der europäischen Landwirtschaft. Mit:

  • Christophe Hansen, EU-Agrarkommissar
  • Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes
  • Torsten Krawczyk, Präsident des Sächsischen Bauernverbandes und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes
  • Dr. Anna Catharina Voges, Gesellschafterin der Saat Gut Plaußig Voges KG und Vizepräsidentin des DLG e. V.
  • Antje Frehse, Ministerialdirigentin im Bundeslandwirtschaftsministerium (angefragt)

Am Freitag, 10. April 2026, von 13:00 bis 14:30 Uhr, folgt ebenfalls auf der Mehrzweckfläche 4, Ebene 0, im CCL das Forum „Ein Jahr nach der Bundestagswahl – eine Standortbestimmung“. Dabei geht es um die aktuelle Lage der Bundesagrarpolitik, um Perspektiven für die Betriebe sowie um zentrale Fragen von Einkommenssicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Bürokratieabbau und Generationswechsel. Mit:

  • Silvia Breher, Parlamentarische Staatssekretärin im BMLEH
  • Karsten Schmal, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes
  • Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt für die ostdeutschen Bauernverbände
  • Lars Lindemann, Leiter Bereich Geschäftskunden der DKB
  • Christian Teppe, Fachanwalt für Agrarrecht und Content Creator

Am Samstag, 11. April 2026, von 11:00 bis 12:30 Uhr, richtet sich auf der Mehrzweckfläche 4 der Blick auf die besonderen Bedingungen in Ost- und Mitteldeutschland. Das Forum „Entlastung für die Mitteldeutsche Landwirtschaft – gibt es konkrete Ansätze?“ thematisiert regionale Herausforderungen wie Kosten- und Wettbewerbsdruck, Betriebsstrukturen, Tierhaltung, Landkonzentration, Wasserverfügbarkeit, Klimaanpassung und Bürokratieabbau. Mit:

  • Georg Ludwig von Breitenbuch, Staatsminister Sachsen
  • Gerd Zender, Staatssekretär Sachsen-Anhalt
  • Marcus Malsch, Staatssekretär Thüringen
  • Dr. Klaus Wagner, Präsident des Bauernverbandes Thüringen für die ostdeutschen Bauernverbände
  • Nikola Steinbock, Sprecherin des Vorstandes der Landwirtschaftlichen Rentenbank

 

Mitglieder des Bauernverbandes erhalten an der Tageskasse einen Rabatt auf ihr Ticket. Den benötigten Vordruck dafür finden Sie im Mitgliederportal: Rabatt für Mitglieder zur agra-Messe

Eine Übersicht der Aussteller sowie einen Lageplan finden Sie unter: https://www.agra-messe.de/besuchen/gelaendeuebersicht/

April-Kommentar im Informationsheft

Liebe Berufskolleginnen
und -kollegen, lieber Leser,

auf der agra in Leipzig wird im April sichtbar, wie viel Innovationskraft in der Landwirtschaft steckt. Moderne Landtechnik, digitale Anwendungen und intelligente Verfahren zeigen dort, wie stark sich der Ackerbau weiterentwickelt. Diese Fortschritte sind keine technische Spielerei. Sie sind eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass landwirtschaftliche Betriebe unter immer anspruchsvolleren Bedingungen auch künftig erfolgreich wirtschaften können.

Denn der Ackerbau steht durch Wetterextreme, längere Trockenphasen, neue Schädlingssituationen und veränderte Krankheitsverläufe vor großen Herausforderungen. Wir wollen gleichzeitig hochwertige Lebensmittel erzeugen, Umwelt und Ressourcen schonen und wirtschaftlich tragfähig bleiben. Dieser Anspruch ist berechtigt. Er kann aber nur erfüllt werden, wenn den Betrieben dafür auch die notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stehen. Das gilt besonders für den Pflanzenschutz. Gerade hier zeigt sich, wie weit politische Debatten und betriebliche Realität oft auseinanderliegen. Auf dem Feld entscheidet nicht ein allgemeines Leitbild über den Handlungsbedarf, sondern die konkrete Situation vor Ort. Jeder Standort ist anders. Boden, Witterung, Fruchtfolge, Krankheitsdruck und Schädlingsaufkommen unterscheiden sich erheblich. Deshalb brauchen Landwirtinnen und Landwirte Rahmenbedingungen, in denen sie auf Grundlage ihrer fachlichen Bewertung verantwortlich handeln können.

Pflanzenschutz ist kein Selbstzweck. Er dient dazu, Pflanzen gesund zu erhalten. Wer Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen und Konkurrenz durch Unkräuter schützt, sichert nicht nur die Ernte, sondern schützt auch die Ressourcen, die zuvor in den Bestand investiert wurden. Saatgut, Düngung, Arbeit, Energie und Wasser verlieren ihren Wert, wenn Erträge am Ende nicht abgesichert werden können. Umso problematischer ist es, dass das Instrumentarium im Pflanzenschutz so eingeschränkt ist. Viele Betriebe erleben, dass Wirkstoffe wegfallen und der Handlungsspielraum kleiner wird, während die Risiken im Ackerbau eher zunehmen. Gerade in solchen Situationen braucht es keine pauschalen Vorgaben, sondern praxistaugliche Regeln, die die Fachlichkeit in den Betrieben ernst nehmen.

Weiter gefasste Rahmenbedingungen bedeuten dabei nicht weniger Verantwortung. Sie bedeuten, dass Entscheidungen dort getroffen werden können, wo das Schadgeschehen tatsächlich sichtbar wird: auf dem Feld. Landwirtinnen und Landwirte kennen ihre Flächen, ihre Kulturen und ihre örtlichen Bedingungen. Sie müssen deshalb die Möglichkeit behalten, auf konkrete Entwicklungen angemessen zu reagieren, wenn dies fachlich notwendig ist.

Natürlich liegt die Zukunft nicht allein im klassischen Pflanzenschutz. Neue Sorten, präzisere Technik, Sensorik, Digitalisierung und teilflächenspezifische Anwendungen bieten große Chancen, Mittel gezielter und sparsamer einzusetzen. Genau darin liegt der richtige Weg: im Zusammenspiel von Innovation, Wissen und Praxiserfahrung. Aber diese Bausteine ergänzen den chemischen Pflanzenschutz, sie ersetzen ihn nicht.

Wer von der Landwirtschaft erwartet, dass sie produktiv, nachhaltig und widerstandsfähig arbeitet, muss ihr deshalb auch die passenden Mittel und den nötigen Handlungsspielraum zugestehen. Fortschritt braucht Innovation. Fortschritt braucht Fachlichkeit. Und Fortschritt braucht Vertrauen in diejenigen, die täglich auf dem Acker Verantwortung tragen.

 

Sven Borchert
1. Vizepräsident des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

Blick ins Heft:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Gutachten: Sonderregelung beim Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte zulässig

Ein neues Rechtsgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass ein branchenspezifischer Abschlag von 20 Prozent auf den gesetzlichen Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft rechtlich möglich ist. Laut Gutachter verstößt eine solche Regelung weder gegen das Grundgesetz noch gegen europäisches Recht und könnte für besonders betroffene Bereiche wie Obst-, Gemüse- und Weinbau sogar notwendig sein. Begründet wird das damit, dass zu hohe Lohnkosten sonst Arbeitsplätze gefährden, Anbauflächen schrumpfen lassen und die heimische Versorgung mit Obst, Gemüse und Wein schwächen. Ein moderater Abschlag soll deshalb Beschäftigung sichern und gleichzeitig eine verbindliche Lohnuntergrenze für Saisonarbeitskräfte erhalten.

Das Gutachten wurde im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt (unten). In Auftrag gegeben wurde das Gutachten von dem Deutschen Bauernverband e.V. (DBV), dem Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e.V. (GLFA), der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e.V. (BVEO), dem Deutschen Raiffeisenverband e.V. (DRV), den Familienbetrieben Land und Forst e.V. (FabLF), der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft e.V. (UNIKA), dem Deutschen Weinbauverband e.V. (DWV) sowie dem Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG).

Die Pressemitteilung des DBV finden Sie über diesen Link.

 

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CO2-Besteuerung beim Diesel aussetzen

„Die aktuellen Kostensteigerungen können von der Landwirtschaft schlichtweg nicht getragen werden“, warnt DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Der Irankrieg und die aktuellen wirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht zu übersehen, die Preise an den Tankstellen sind nach oben geschossen. Auch die Stickstoffdüngerpreise zogen deutlich an. Der Bauernverband sieht die Bundespolitik in der Pflicht, die Landwirtinnen und Landwirte bei den exorbitanten Dieselkosten zu entlasten. Dafür gibt es bei der CO₂-Abgabe Möglichkeiten. Der Bauernpräsident fordert die Bundesregierung deshalb auf, die CO₂-Besteuerung beim Diesel für die Landwirtschaft und die gesamte Wirtschaft temporär zeitnah auszusetzen. Das würde Bereichen wie der Landwirtschaft und dem Transportgewerbe eine spürbare Erleichterung bringen, die notwendig ist.

Rukwied erklärte: „Unsere Kosten für Betriebsmittel oder Energie steigen deutlich an, gleichzeitig haben wir bei den meisten landwirtschaftlichen Produkten Tiefstpreise. Das passt nicht zusammen. Gerade jetzt für die Frühjahrsbestellung sind die sprunghaften Preissteigerungen beim Diesel besonders schmerzhaft.“

Die Pressemitteilungen des DBV können über folgende Seite abonniert werden: https://www.bauernverband.de/presse-medien/newsletter-pressemitteilungen