Februar-Kommentar im Informationsheft

Liebe Berufskolleginnen und -kollegen, liebe Leserinnen und Leser,

Frauen gehören zur Landwirtschaft: Sie prägen Familien, Betriebe und ländliche Räume. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum „International Year of the Woman Farmer“ erklärt. Das ist ein wichtiges Signal. In Sachsen-Anhalt sind 11 Prozent der Betriebsleiter Frauen. Noch öfter sind sie Mitunternehmerinnen und besonders oft halten sie im Alltag vieles zusammen, was nach außen nicht sichtbar ist.

Diese Sichtbarkeit ist jedoch wichtig, nicht als Symbol, sondern als Anerkennung für echte Leistung. Unsere Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt ist stark, weil viele Frauen Verantwortung übernehmen. Sie entscheiden mit, sie organisieren, sie führen Mitarbeitende. Sie kümmern sich um Tiere, Äcker, Buchführung, Vermarktung und Ausbildung. Sie bringen neue Perspektiven auf die Höfe und sie sorgen dafür mit, dass Betriebe zukunftsfähig bleiben.

Trotzdem gibt es Punkte, bei denen wir als Gesellschaft und auch innerhalb der Branche genauer hinschauen müssen. Ein sehr wichtiges Thema ist die soziale Absicherung. Frauen arbeiten häufig über Jahre und Jahrzehnte im Betrieb mit, nicht immer ist das verlässlich in der Altersvorsorge abgebildet. Die Alterssicherung der Landwirte ist ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge, der sowohl Landwirtinnen, Ehepartnerinnen als auch mitarbeitende Familienangehörige absichert. Allerdings ist die Alterssicherung der Landwirte nur ein Baustein, der bei weitem nicht ausreicht, um ein auskömmliches Leben im Alter sicherzustellen.

Das ist ein Risiko und einer Lebensleistung nicht gerecht. Häufig hört man den Einwand, dass der Betrieb die Altersvorsorge sei. Das Argument ist nachvollziehbar, aber von den besten Jahren bis zum Altenteil kann viel passieren. Sollte beispielsweise der Ehepartner zu früh verscheiden, oder die Erben wollen oder können den Hof nicht übernehmen, wird es schwierig. Wer täglich Verantwortung trägt, muss später auch ausreichend abgesichert sein. Hier brauchen wir mehr Bewusstsein und wir brauchen Lösungen.

Das UN-Jahr soll mehr sein als ein Motto, es sollte Gespräche anstoßen. In Familien. In Betrieben. In der Politik. In Verbänden. Es geht um Wertschätzung, es geht um faire Rahmenbedingungen. Es geht auch um die Frage, wie wir Talente halten und gewinnen. Denn ohne Frauen fehlt uns ein großer Teil der Kompetenz, der Erfahrung und der Zukunftskraft in der Landwirtschaft.

Ich wünsche mir, dass wir Frauen in allen Bereichen der Landwirtschaft noch sichtbarer werden. Dass die Bedeutung der Frauen in der Landwirtschaft gestärkt wird. Vor allem aber wünsche ich mir, dass daraus konkrete Schritte in diese Richtung folgen. Damit Frauen in der Landwirtschaft nicht nur mitarbeiten, sondern als gleich anerkannt und abgesichert ihren Platz haben. Und ich wünsche uns allen, dass noch mehr junge Frauen sich in Verbänden und Gremien einbringen, um ihre Perspektiven einzubringen. Denn das ist ein Gewinn für unsere Betriebe, die Landwirtschaft und den gesamten ländlichen Raum.

 

Katrin Beberhold
Vizepräsidentin des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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