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Archiv für die Kategorie: Ackerbau

Du bist hier: Startseite1 / Ackerbau

Erste Erntemeldung für Sachsen-Anhalt

19. Juli 2023/in Ackerbau, Verbandsnachrichten/von Erik Hecht

Ein zeitweise kühles Frühjahr und eine langsame Entwicklung der Pflanzen hatten bewirkt, dass die Ernte 2023 etwas später als in den letzten Jahren begonnen hatte. Durch die aktuell sehr trockene Witterung waren die Bedingungen für die Ernte vielerorts sehr gut. Die Gerstenernte in Sachsen-Anhalt ist fast vollständig abgeschlossen.

Im Landesdurchschnitt liegt der diesjährige Ertrag in der Wintergerste bei 76 dt/ha und somit 6 dt/ha über der Vorabschätzung. Diese ungewöhnliche Abweichung von der Praktiker-Prognose vor der Ernte erklärt sich durch sehr starke, regionale Schwankungen. Im Süden Sachsen-Anhalts konnte mit 87 dt/ha ein sehr gutes Ergebnis erzielt werden. Im Norden des Landes wurden nur gut 57 ha/dt gemeldet, somit nochmal 8 dt/ha weniger als im Vorjahr.

Etwas besser ist die Gerstenernte im Raum Anhalt ausgefallen. Dort wurden im Durchschnitt 70 dt/ha eingefahren, was den Schätzungen im Vorfeld genau entspricht. In der Region des ALFF Mitte, also Börde, Harz und Salzlandkreis, wurden fast 77 dt/ha geerntet.

Die Aufteilung der genannten Gebiete richtet sich nach den Zuständigkeitsgrenzen der Ämter für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (kurz ALFF): https://alff.sachsen-anhalt.de/

Trotz gelegentlicher Niederschläge sind die Bestände auf den Feldern sehr trocken. Das wirkt sich positiv auf die Erntefähigkeit aus. Negativ werden jedoch verschiedene Qualitätsfaktoren beeinflusst, u.a. das teilweise deutlich abfallende Hektolitergewicht und der Schmachtkornanteil.

Zu anderen Kulturen liegen bisher noch nicht genug Meldungen vor, um eine Bewertung der Ernte vorzunehmen. Der Wintergerste folgt bei vielen Betrieben der Winterraps, weitere Druschkulturen sind Erbsen und Winterweizen. Besonders der Weizen ist für viele Betriebe wirtschaftlich wichtig. Sachsen-Anhalt ist eine von Deutschlands „Kornkammern“, rund 10 Prozent des deutschen Winterweizens kommt aus Sachsen-Anhalt.

Zahlen zu den Anbauflächen finden Sie auf der Webseite des Statistischen Bundesamtes:

https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Landwirtschaft-Forstwirtschaft-Fischerei/Feldfruechte-Gruenland/Tabellen/anbauflaeche-feldfruechte-bundeslaender.html

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2023/07/Gerste1.jpg 1536 2048 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2023-07-19 07:24:462023-07-19 07:26:21Erste Erntemeldung für Sachsen-Anhalt

Ernte-Schätzung in Sachsen-Anhalt

4. Juli 2023/in Ackerbau, Verbandsnachrichten/von Erik Hecht

Sachsen-Anhalts Landwirtinnen und Landwirten prognostizieren eine durchwachsene Ernte. Im März und April gab es ausreichend Regen, damit stieg die Hoffnung auf gute Erträge. Mai und Juni haben jedoch deutlich gemacht, dass die Dürrejahre noch nicht vorbei sind. Die Vorsommertrockenheit traf die Getreidekulturen in empfindlichen Entwicklungsstadien, was Einfluss auf die Qualität genommen hat. Sommerungen wie Zuckerrüben und Mais zeigen sich sehr unterschiedlich.

Die Ernte beginnt mit der Wintergerste. Im Vorjahr war die Wintergerste zum Julibeginn bereits größtenteils eingebracht. Durch das kühle Frühjahr hat sich die Entwicklung und Reife der Pflanzen zeitlich nach hinten verlagert. Die aktuell gelegentlich auftretenden Niederschläge sorgen dafür, dass die Ernte nur langsam anrollen kann. Erwartet wird ein Ertrag von weniger als 70 dt/ha, jedoch mit starken Schwankungen.
Wie in der Gerste wird auch beim Winterraps von starken Schwankungen im Ertrag ausgegangen. Der Trend der letzten Jahre setzt sich fort, dass kaum noch regionale Aussagen getroffen werden können, weil Niederschläge zunehmend lokal abgegrenzt auftreten. Der prognostizierte Ertrag von durchschnittlich gut 34 dt/ha würde auf dem Niveau des Vorjahres liegen.
Der erwartete Ertrag im Winterweizen liegt bei 65 dt/ha und somit gut 2 dt/ha unter dem durchwachsenen Vorjahresergebnis. Die Schätzungen der Landwirte schwanken von 50 bis 70 dt/ha. Zum Vergleich: In den Jahren vor der seit 2018 anhaltenden Dürre konnten oft 80 dt/ha Winterweizen oder mehr geerntet werden.
Bei Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais ist es noch zu früh für eine Prognose. Auf besonders trockenen Flächen sind die Kulturen schlecht entwickelt, haben aber das Potenzial. Zu diesen und weiteren Kulturen sowie dem Grünland werden mit der ersten Ernte-Erhebung weitere Angaben folgen.

Hinweis: Erntemengen in der Landwirtschaft werden in „dt/ha“ angegeben. Eine Dezitonne („dt“) entspricht 0,1 Tonnen bzw. 100 kg. Eine Prognose von 70 dt/ha geht also von 7 Tonnen je Hektar aus, bzw. von 7.000 kg je Hektar.

Die Ernteauftakt-Pressekonferenz des Deutschen Bauernverbandes findet dieses Jahr in Thüringen statt, am 4. Juli auf einem Feld in Riethnordhausen. Informationen sowie Kontaktdaten finden Sie unter folgendem Link: https://www.tbv-erfurt.de/presse-und-medien



https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2023/07/WRanz_pixabay.jpg 720 1280 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2023-07-04 10:40:312023-07-04 10:06:43Ernte-Schätzung in Sachsen-Anhalt

Feldmaus-Hoftag großer Erfolg

3. November 2022/in Ackerbau, Agrarpolitik / Verbandsarbeit/von Erik Hecht
Weiterlesen
https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2022/11/IMG_8304-scaled.jpg 1661 2492 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2022-11-03 09:58:292022-11-03 09:58:29Feldmaus-Hoftag großer Erfolg

Unbefriedigende Ernteergebnisse, unsichere Aussichten

23. August 2022/in Ackerbau, Agrarpolitik / Verbandsarbeit, Medieninformationen/von Erik Hecht

Sachsen-Anhalts Landwirtinnen und Landwirten war schon vor der Ernte klar, dass die Ergebnisse in diesem Jahr nicht allzu gut ausfallen. Hitze und viel zu wenig Wasser haben vielen Pflanzen seit der Aussaat keine guten Bedingungen geboten. Trotz widriger Bedingungen hat sich ein Teil der Wintergerste relativ stabil entwickelt und konnte die Ertragsbildung vor der extremen Trockenheit abschließen. Das Ernte-Ergebnis liegt mit 74 dt/ha über den ersten Prognosen und auf einem Niveau, dass auch in Jahren mit besserer Witterung üblich ist. Die Qualitäten der Getreidekörner sind jedoch durchwachsen. Tatsächlich gedroschen, und damit im Rahmen der Ernteumfrage erfasst, wurden nicht alle Gerstenbestände. Ein Teil musste im grünen Stadium gehäckselt werden, um als Futter verwendet werden zu können.
Die Ergebnisse im Winterweizen, für viele Betriebe eine zentrale Kultur, sind weniger schlecht als in der Vorernte-Prognose mit 61 dt/ha prognostiziert. Im Landesdurchschnitt konnten 64 dt/ha eingefahren werden. Damit liegt der Ertrag knapp 5 dt/ha über dem katastrophalen Ergebnis von 2018. In Jahren mit normaler Witterung können die Landwirte in Sachsen-Anhalt 80 dt/ha und mehr beim Winterweizen erzielen, abhängig vom jeweiligen Standort.
Wie auch bei Gerste und Roggen (Ø 39,6 dt/ha) wurden von den Landwirtinnen und Landwirten geringe Hektolitergewichte und hohe Schmachtkornanteile gemeldet. Schmachtkorn bezeichnet kümmerlich ausgebildetes Getreide und ist neben den anderen Qualitätsparametern ausschlaggebend für die Bestimmung des Preisniveaus. In Kombination mit der wechselhaften Marktlage entstehen dadurch starke Schwankungen bei den Preisen, die von den Betrieben erzielt werden können.
Von einem guten Geschäftsjahr werden die Landwirtinnen und Landwirte dennoch nicht sprechen, aufgrund der durchwachsenen Erträge und Qualitäten, der oftmals langfristigen Verträge mit Abnehmern sowie der stark gestiegenen Betriebsmittelkosten. Hinzukommt die große, politische Unsicherheit. „Für die landwirtschaftlichen Unternehmen sind die aktuell diskutierten Pläne auf EU-Ebene, die einen Produktivitätsverlust in zweistelliger Prozenthöhe bewirken sollen, nicht weniger existenzgefährdend als die Dürre. In vielen Bereichen, bei Düngung, Pflanzenschutz und Schutz des Eigentums, fehlt eine wirtschaftliche Perspektive“, erklärt Marcus Rothbart, Hauptgeschäftsführer des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt.
Die Dürre wirkt sich auf alle Kulturen aus, die angebaut werden. Von den Landwirtinnen und Landwirten in Sachsen-Anhalt wurden in diesem Jahr wesentlich mehr Sonnenblumen angebaut als noch im Vorjahr. Aber auch diesen vergleichsweisen resistenten Pflanzen setzt die Witterung stark zu. Die Ernte ist mancherorts so stark vertrocknet, dass die Erträge voraussichtlich nicht die Kosten decken werden.
Die Dürre hat auch weniger offensichtliche Auswirkungen auf die Ernte von Sachsen-Anhalts Bauern, unter anderem bei Erbsen und Ackerbohnen. Wenn Pflanzen sich nicht gleichmäßig und geschlossen entwickeln können, bilden sich Lücken in den Beständen. Diese werden von Unkräutern ausgenutzt, beispielsweise von Quecke. Zum einen entsteht damit ein Konkurrenzkampf um Wasser und Nährstoffe, zum anderen lassen sich die Bestände deutlich schlechter Ernten. Für den Landwirt bedeutet das höhere Kosten und ein höheres Risiko, dass das Erntegut ungewünschte Pflanzenbestandteile enthält.
An der dritten und abschließenden Erntemeldung des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt haben sich knapp 200 Landwirtinnen und Landwirte beteiligt. Die Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes finden Sie HIER.

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2022/08/straw-7392350_1280_pixabay-akinch.jpg 760 1280 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2022-08-23 11:25:242022-08-23 11:25:24Unbefriedigende Ernteergebnisse, unsichere Aussichten

Kommentar der Verbandsspitze im Informationsheft 06/2022

16. Juni 2022/in Ackerbau, Agrarpolitik / Verbandsarbeit, Medieninformationen/von Erik Hecht

Liebe Berufskolleginnen und -kollegen, zu Beginn der Corona-Pandemie und mit den einhergehenden, kurzfristigen Lieferengpässen mancher Produkte ist die Rolle des Landwirtes wieder stärker in den Vordergrund getreten. Vielen Mitmenschen wurde […]

Weiterlesen
https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2022/06/2022-06_COVER.png 602 434 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2022-06-16 13:02:562022-06-17 08:34:16Kommentar der Verbandsspitze im Informationsheft 06/2022

Ertrags- und Qualitätsmonitoring "Roter Gebiete"

18. Januar 2022/0 Kommentare/in Ackerbau, Agrarpolitik / Verbandsarbeit/von BVSt

Die Auswirkungen der neuen Düngeverordnung sind in der Praxis angekommen. Um aufzuzeigen, wie sehr die Bäuerinnen und Bauern in Deutschland davon betroffen sind, braucht der Deutsche Bauernverband Ihrer Mithilfe, indem die Folgen bei den Erträgen und Qualitäten im ersten deutschlandweiten Monitoring zu diesem Thema dokumentiert werden.

Es soll damit ein Überblick über die Auswirkungen auf die Erträge und Qualitäten bei ausgewählten Ackerkulturen gegeben werden und im Zusammenhang damit eine Quantifizierunmg der finanziellen Verluste in den betroffenen Regionen erfolgen. Dafür sind von Ihnen einige Daten notwenig, wie und wo Sie daran teilnehmen können, erfahren Sie im Anhang DBV Monitoring Rote Gebiete.

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2021/01/Vorgewende01.jpg 390 639 BVSt https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg BVSt2022-01-18 12:13:202022-01-18 12:13:20Ertrags- und Qualitätsmonitoring "Roter Gebiete"

PSM-Schulungen im November

9. November 2021/in Ackerbau, Agrarpolitik / Verbandsarbeit, Ausbildung + Studium/von Erik Hecht

Wer beruflich mit Planzenschutzmitteln arbeitet, muss sich regelmäßig fortbilden. Der Bauernverband Sachsen-Anhalt organisiert regelmäßig Weiterbildungsveranstaltungen, damit unsere Landwirtinnen und Landwirte rechtssicher unterwegs sein können.

Für den November 2021 gibt es aktuell noch freie Schlungstermine. Die Übersicht zu den Schulungsterminen finden Sie als PDF HIER oder über das folgende Bild:

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg 0 0 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2021-11-09 14:24:302021-11-09 14:24:30PSM-Schulungen im November

Kommentar der Verbandsspitze im Informationsheft 10/2021

4. Oktober 2021/in Ackerbau, Agrarpolitik / Verbandsarbeit, Verbandsnachrichten/von Erik Hecht

Liebe Berufskolleginnen und -kollegen,
liebe Verbandsmitglieder,
zu dieser Jahreszeit haben wir die Mähdruschernte fertig und den Silomais weitestgehend geerntet. Viele Betriebe sind nun mit Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenschutzmaßnahmen sowie Ernte von Kartoffeln und Zuckerrüben beschäftigt. Wie immer gilt der Spruch, der Grundstein für die Ernte des kommenden Jahres wird im Herbst gelegt.
Ein wenig hat dieser Spruch in den letzten Jahren an Gültigkeit eingebüßt, maßgeblich durch die verschiedenen Wetterkapriolen. Und wir hören immer, dass extreme Witterungsereignisse häufiger geworden sind und in Zukunft noch häufiger werden. Wir können im Herbst fachlich alles richtig machen, im kommenden Jahr entscheidet maßgeblich das Wetter über den Erfolg unserer Arbeit.
Auf das Wetter haben wir keinen Einfluss, aber auf politische Rahmenbedingungen. Diese sind nicht von der Natur bestimmt, sondern werden von Menschen festgelegt und können von Menschen auch wieder geändert werden. Zu diesen Rahmenbedingungen zählen die gesetzlichen Vorgaben rund um die Themen Düngung, rote Gebiete, eutrophierte Gebiete, Gewässerschutz, Hang­neigung, Bundes­naturschutzgesetz, Pflanzen­­schutzanwenderverordnung.
Seit Jahrzehnten beschäftigt uns schon die Nitratrichtlinie der EU. In den letzten Jahren gab es immer wieder neue Studien, neue Beschlüsse und daran anschließend neue Vorgaben. Eine Entwicklung war: Deutschland wurde, im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens, von der Europäischen Kommission dazu aufgefordert, ein Wirkungsmonitoring zu den Maßnahmen der Düngeverordnung umzusetzen. Das Monitoring soll erfassen, ob und wie die Maßnahmen der Düngeverordnung auf das Grundwasser wirken.
In das Monitoring sollen die Emissionsdaten aus der landwirtschaftlichen Düngung einfließen, um die Nitratbelastungen im Grundwasser nachvollziehen zu können. Wir haben als Verband vehement eine Zwischenbilanzierung für 2022 gefordert, die Einführung des Befreiungstatbestandes sowie ein Maßnahmen-Wirkungsmonitoring. Im Gegenzug haben wir uns bereit erklärt, dafür Daten zuliefern, weil Sachsen-Anhalt keine valide Datengrundlage hat.
Dies bedeutet leider erstmal einen hohen Aufwand zur Bewältigung der neuen bürokratischen Auflagen. Bis zum 31.10.2021 müssen alle Betriebe, die Flächen in Sachsen-Anhalt bewirtschaften, die gesamtbetrieblichen Daten aus diesem Jahr melden. Zusätzlich müssen einzelschlagbezogene Daten gemeldet werden, wenn Betriebe mindestens eine Fläche im nitratbelasteten Gebiet bewirtschaften.
Anfang September hatten wir mit dem MULE ein Gespräch zu der Verordnung über die düngerechtliche Mit­teilungs­pflichten. Nach Aussage des MULE werden erhobene Daten bereits für die Zwischenevaluierung der roten Gebiete 2022 genutzt. Trotz des Mehraufwandes in den Betrieben – in dem geschilderten Vorgehen sehe ich für uns eine große Chance. Die Stickstoffsalden werden derzeit auf Gemeindeebene ermittelt. Das kann sich ändern, wenn in die Gebietskulisse zukünftig die gemeldeten Betriebsdaten einfließen und aktuelle Nährstoffbilanzen einbezogen werden. Die Meldung der Daten soll es in Zukunft ermöglichen, eine deutlich genauere Ausweisung vorzunehmen.
Die EU hat für das Thema Nitrat schon lange einen strengen Kurs aufgezeigt. Dass dieser Kurs aufgeweicht wird, davon können wir nicht ausgehen. Wir Landwirte können das Thema aber mitgestalten, durch fundierte und konsequente Verbandsarbeit. Man muss sich dafür nur ins Gedächtnis rufen, wie sich die roten Gebiete in Sachsen-Anhalt entwickelt haben! Heute ist die Kulisse wesentlich kleiner, als sie zu Beginn war. Maßgeblich ehrenamtliches Engagement, unterstützt durch die Arbeit vom Hauptamt, hat das bewirkt. Die einzelbetriebliche Betroffenheit bleibt weiterhin sehr groß, auch die DüV wird noch länger für Unsicherheit sorgen. Die Entwicklung der Gesamtfläche zeigt uns aber, dass die Arbeit im gemeinsamen Verband wirkt.
Unser neuer Umweltminister Armin Willingmann betont, sein Haus werde unideologisch an die Reizthemen der Landwirtschaft herangehen wird. Der neue (Land-)Wirtschaftsminister Sven Schulze möchte die kommenden Jahre in Partnerschaft mit der Landwirtschaft gestalten. Beide Minister werden nicht all unsere Probleme lösen können, aber sie wollen unterstützen, bei der Schaffung von besseren Rahmenbedingungen. Mit beiden Ministern können und werden wir besonders auf eines hinarbeiten, dass die größte Unsicherheit für die Landwirtschaft wieder das Wetter wird – und nicht die Politik.
Ihr
Sven Borchert

Blick ins Heft:

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2021/10/2021-10_cover.png 1137 800 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2021-10-04 07:28:182021-10-04 07:28:18Kommentar der Verbandsspitze im Informationsheft 10/2021

Erste Einschätzung zur diesjährigen Ernte

7. Juli 2021/in Ackerbau, Agrarwirtschaft, Medieninformationen/von Erik Hecht

Vertreter des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt und des Landhandels aus Sachsen-Anhalt haben sich zum nun schon 19. Mal für eine erste Ernteeinschätzung getroffen.

 

Zwar brachten die Niederschläge der vergangenen Monate weniger Wasser als erhofft, doch durch die milde Witterung im April bis in den Mai sind die meisten Pflanzenbestände bis dahin relativ gut durchgekommen. Das zeigt sich in einer ersten Prognose zu den Feldfrüchten in Sachsen-Anhalt. Der Großteil der 45 Landwirtschaftsbetriebe, die betriebliche Prognosen zur Verfügung gestellt haben, geht, nach den vergangenen, sehr schwierigen Jahren, davon aus, erstmals wieder eine quantitativ bessere Ernte erzielen zu können.

Bei der Wintergerste, deren Ernte Ende Juni begonnen hat, schwanken die Erwartungen der Betriebe deutlich: Zwischen 60 und 80 dt (Dezitonnen) bewegen sich die Angaben der Praktikerinnen und Praktiker, abhängig von der erwarteten Witterung. Besonders bei Winterraps und Winterweizen erwarten viele Betriebe eine bessere Ernte, mit knapp 37 dt beim Winterraps und gut 72 dt beim Winterweizen. Wenn solche Erträge umgesetzt werden können, würde das für viele Landwirtinnen und Landwirte in Sachsen-Anhalt die erste bessere Ernte seit 2018 bedeuten – vorbehaltlich dessen, dass der Markt die Erzeugnisse auch zu guten Preisen abnimmt.

Unsicherheit besteht bei den Erwartungen an die Erträge von Hafer, Roggen und Körnermais. Futtermais und Zuckerrüben waren, durch den kühlen Frühling, bis zu zwei Wochen hinter ihrem üblichen Zeitplan, konnten das Wachstum jedoch wieder aufholen.

Wie die Erzeugerpreise der kommenden Monate sein werden, lässt sich laut Landhandel kaum prognostizieren. Das hängt besonders damit zusammen, dass die Preise für die meisten landwirtschaftlichen Ur-Erzeugnisse global entstehen: Faktoren wie Extremwitterungen in Kanada können sich ebenso wie korrigierte Ernteschätzungen in großen Erzeuger-Ländern (z.B. USA und Russland) massiv auf die globalen Preise auswirken. Zudem wird nun auch vermehrt wieder an der Börse Geld in Rohstoffe investiert.

Vonseiten des Landhandels wurde berichtet, mehr Landwirtinnen und Landwirte als sonst hätten in diesem Jahr Vorkontrakte abgeschlossen. Dabei wird ein Teil der Ernte bereits vorab verkauft. Wer Vorkontrakte auf einem guten Niveau abschließen konnte, weiß bereits zu welchem Preis er seine Erzeugnisse verkauft, muss die Ware jedoch auch in vereinbarter Menge und Qualität liefern. Von der aufnehmenden Hand wird mit Spannung erwartet, wie sich die Ausweisung der „Roten Gebiete“ auf die Qualitäten des Weizens auswirkt. Es besteht die Befürchtung, dass in betroffenen Regionen kein Elite-Weizen geerntet werden kann, aufgrund der restriktiveren Vorgaben für die Ackerbauern. Das würde unsere schon vor Jahren geäußerten Bedenken bestätigen.

Vielerorts zufriedenstellend war für die Landwirtinnen und Landwirte in Sachsen-Anhalt der erste Schnitt auf dem Grünland. Die Dürre der vergangenen Jahre hat bei vielen Tierhaltern für eine sehr angespannte Futtersituation gesorgt. Wenn sich der Aufwuchs über das Jahr weiterhin gut entwickelt, könnten erstmals wieder Reserven angelegt werden. Da sich besonders auf Futterflächen der Feldmausbestand auf einem hohen Niveau eingependelt hat, kann aber noch keine Entwarnung gegeben werden. Und auch hier gilt: Die sehr unterschiedlich verteilten Niederschläge der vergangenen Monate führen zu einem regional – und auch lokal – sehr heterogenen Bild.

Im Rahmen des Vorerntegespräches hat Hans-Jürgen Schulz, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Gentechnik, Agrarmärkte und Veterinärwesen des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, das Agrarantragsverfahren 2021 ausgewertet und über Entwicklungen in der landwirtschaftlichen Flächennutzung berichtet. Katharina Elwert, Agrarpolitik-Referentin des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, informierte zum aktuellen Stand der GAP-Reform.

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg 0 0 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2021-07-07 10:06:252021-07-07 10:06:25Erste Einschätzung zur diesjährigen Ernte

Umweltschutz ist ohne Verbotsflut möglich

24. Februar 2021/in Ackerbau, Agrarpolitik / Verbandsarbeit, Medieninformationen/von Erik Hecht

Am 10. Februar 2021 wurden durch das Bundeskabinett die Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes (ursprünglich: Gesetz zum Schutz der Insektenvielfalt in Deutschland) und die Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung auf den Weg gebracht. Bereits seit dem ersten Bekanntwerden hatten sich Landwirtinnen und Landwirte und deren Berufsverbände gegen dieses sogenannte „Insektenschutzpaket“ der Bundesregierung ausgesprochen.

Ein maßgeblicher Grund dafür ist, dass das Insektenschutzpaket eine Abkehr von Kooperation zwischen Umweltschutz und Landwirtschaft bedeutet. Stattdessen will die Bundesregierung neue Vorschriften durchsetzen, die über die EU-weit geltenden Regeln hinausgehen. Teilweise sollen freiwillige Umweltleistungen, für die Landwirtinnen und Landwirte aktuell einen Ausgleich bekommen, zukünftig zum Standard erklärt werden. Diese Maßnahmen sind dann nicht länger förderfähig, sondern müssen allgemein umgesetzt werden. Dabei wird nicht berücksichtigt, ob damit tatsächlich ein Mehrwert für Flora und Fauna erreicht wird.

Pauschale Verbote, beispielsweise von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln, hatten in der Vergangenheit dazu geführt, dass etwa die Anbaufläche von Raps deutlich zurückgegangen ist. Durch eine politische Verengung der Kulturpflanzen-Vielfalt, mit denen die Betriebe auch Geld verdienen können, würden insbesondere Obst- und Gemüsebauern benachteiligt. Die bundesweite Nachfrage kann in solchen Fällen dennoch bedient werden – von Landwirten aus dem Ausland, bei denen die allgemein in der EU geltenden Vorgaben greifen. Damit würde die Landwirtschaft vor Ort künstlich geschwächt, ohne grenzübergreifend etwas zu erreichen.

Ein Ausbau der Umweltleistungen von Landwirtinnen und Landwirten ist möglich, wenn Vorhaben kooperativ und gezielt umgesetzt werden. Maßnahmen wie mehrjährige Blühstreifen können eine Verdopplung oder gar Verdreifachung der Artenvielfalt auf den Flächen bewirken, ohne die gesamte Ackerfläche mit pauschalen Verboten zu überziehen. Dass das nicht nur graue Theorie ist, wird unter anderem in zehn Beispielbetrieben deutschlandweit erprobt. Einer dieser Betriebe ist in Sachsen-Anhalt. In der Zwischenbilanz des Verbundprojektes F.R.A.N.Z. (Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft) wird unter anderem beschrieben, dass besonders die Bürokratie auf EU- und Bundesebene abgebaut werden muss. Etwa wird eine Flexibilisierung hinsichtlich genauer Terminvorgaben empfohlen, wodurch sich Landwirtinnen und Landwirte an die bei ihnen vorkommenden, natürlichen Begebenheiten anpassen können. Auch klar formulierte, jederzeit aktuelle Informationen zu Förderungen und transparente Erklärungen der ökologischen Ziele von Maßnahmen sind unverzichtbar, wenn Landwirtinnen und Landwirte aktiver eingebunden werden sollen.

Grundsätzlich können bundesweit wirksame Vorhaben zum Ausbau der Artenvielfalt von Flora und Fauna nur gelingen, wenn landwirtschaftlichen Betrieben wirtschaftliche Anreize geboten werden. Jährlich strengere und nicht entlohnte Vorgaben, teils ohne klare Zielsetzung, werden weder erfolgreich sein noch Akzeptanz finden. Abzulehnen ist ein Missbrauch der europäischen Agrarzahlungen für partielle politische Vorhaben. Darüber hinaus muss politisch deutlich ehrlicher mit der Datenlagen zum vielzitierten Rückgang von Insekten und Wildpflanzen umgegangen werden. Die Umwelteinflüsse von Verkehr, Zersiedelung, Lichtverschmutzung und weiteren Faktoren sind nicht ausreichend erforscht, um immer pauschal auf die Landwirtschaft abzustellen.

 

Hintergrund: Das Verbundprojekt F.R.A.N.Z. steht unter der Schirmherrschaft der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, und nukleare Sicherheit, Frau Svenja Schulze, und der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Frau Julia Klöckner. Das Projekt der Umweltstiftung Michael Otto und des Deutschen Bauernverbandes e.V. wird durch das Johann Heinrich von Thünen-Institut, den Naturschutzbund Deutschland e.V. und die Georg-August-Universität Göttingen wissenschaftlich begleitet.

https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2021/02/Mohn-Hummel01.jpg 319 374 Erik Hecht https://www.bauernverband-st.de/wp-content/uploads/2024/06/BV_Logo_cmyk_2022.svg Erik Hecht2021-02-24 15:49:522021-02-24 15:56:17Umweltschutz ist ohne Verbotsflut möglich
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