April-Kommentar im Informationsheft

Liebe Berufskolleginnen
und -kollegen, lieber Leser,

auf der agra in Leipzig wird im April sichtbar, wie viel Innovationskraft in der Landwirtschaft steckt. Moderne Landtechnik, digitale Anwendungen und intelligente Verfahren zeigen dort, wie stark sich der Ackerbau weiterentwickelt. Diese Fortschritte sind keine technische Spielerei. Sie sind eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass landwirtschaftliche Betriebe unter immer anspruchsvolleren Bedingungen auch künftig erfolgreich wirtschaften können.

Denn der Ackerbau steht durch Wetterextreme, längere Trockenphasen, neue Schädlingssituationen und veränderte Krankheitsverläufe vor großen Herausforderungen. Wir wollen gleichzeitig hochwertige Lebensmittel erzeugen, Umwelt und Ressourcen schonen und wirtschaftlich tragfähig bleiben. Dieser Anspruch ist berechtigt. Er kann aber nur erfüllt werden, wenn den Betrieben dafür auch die notwendigen Werkzeuge zur Verfügung stehen. Das gilt besonders für den Pflanzenschutz. Gerade hier zeigt sich, wie weit politische Debatten und betriebliche Realität oft auseinanderliegen. Auf dem Feld entscheidet nicht ein allgemeines Leitbild über den Handlungsbedarf, sondern die konkrete Situation vor Ort. Jeder Standort ist anders. Boden, Witterung, Fruchtfolge, Krankheitsdruck und Schädlingsaufkommen unterscheiden sich erheblich. Deshalb brauchen Landwirtinnen und Landwirte Rahmenbedingungen, in denen sie auf Grundlage ihrer fachlichen Bewertung verantwortlich handeln können.

Pflanzenschutz ist kein Selbstzweck. Er dient dazu, Pflanzen gesund zu erhalten. Wer Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen und Konkurrenz durch Unkräuter schützt, sichert nicht nur die Ernte, sondern schützt auch die Ressourcen, die zuvor in den Bestand investiert wurden. Saatgut, Düngung, Arbeit, Energie und Wasser verlieren ihren Wert, wenn Erträge am Ende nicht abgesichert werden können. Umso problematischer ist es, dass das Instrumentarium im Pflanzenschutz so eingeschränkt ist. Viele Betriebe erleben, dass Wirkstoffe wegfallen und der Handlungsspielraum kleiner wird, während die Risiken im Ackerbau eher zunehmen. Gerade in solchen Situationen braucht es keine pauschalen Vorgaben, sondern praxistaugliche Regeln, die die Fachlichkeit in den Betrieben ernst nehmen.

Weiter gefasste Rahmenbedingungen bedeuten dabei nicht weniger Verantwortung. Sie bedeuten, dass Entscheidungen dort getroffen werden können, wo das Schadgeschehen tatsächlich sichtbar wird: auf dem Feld. Landwirtinnen und Landwirte kennen ihre Flächen, ihre Kulturen und ihre örtlichen Bedingungen. Sie müssen deshalb die Möglichkeit behalten, auf konkrete Entwicklungen angemessen zu reagieren, wenn dies fachlich notwendig ist.

Natürlich liegt die Zukunft nicht allein im klassischen Pflanzenschutz. Neue Sorten, präzisere Technik, Sensorik, Digitalisierung und teilflächenspezifische Anwendungen bieten große Chancen, Mittel gezielter und sparsamer einzusetzen. Genau darin liegt der richtige Weg: im Zusammenspiel von Innovation, Wissen und Praxiserfahrung. Aber diese Bausteine ergänzen den chemischen Pflanzenschutz, sie ersetzen ihn nicht.

Wer von der Landwirtschaft erwartet, dass sie produktiv, nachhaltig und widerstandsfähig arbeitet, muss ihr deshalb auch die passenden Mittel und den nötigen Handlungsspielraum zugestehen. Fortschritt braucht Innovation. Fortschritt braucht Fachlichkeit. Und Fortschritt braucht Vertrauen in diejenigen, die täglich auf dem Acker Verantwortung tragen.

 

Sven Borchert
1. Vizepräsident des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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Gutachten: Sonderregelung beim Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte zulässig

Ein neues Rechtsgutachten kommt zu dem Ergebnis, dass ein branchenspezifischer Abschlag von 20 Prozent auf den gesetzlichen Mindestlohn für Saisonarbeitskräfte in der Landwirtschaft rechtlich möglich ist. Laut Gutachter verstößt eine solche Regelung weder gegen das Grundgesetz noch gegen europäisches Recht und könnte für besonders betroffene Bereiche wie Obst-, Gemüse- und Weinbau sogar notwendig sein. Begründet wird das damit, dass zu hohe Lohnkosten sonst Arbeitsplätze gefährden, Anbauflächen schrumpfen lassen und die heimische Versorgung mit Obst, Gemüse und Wein schwächen. Ein moderater Abschlag soll deshalb Beschäftigung sichern und gleichzeitig eine verbindliche Lohnuntergrenze für Saisonarbeitskräfte erhalten.

Das Gutachten wurde im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt (unten). In Auftrag gegeben wurde das Gutachten von dem Deutschen Bauernverband e.V. (DBV), dem Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e.V. (GLFA), der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse e.V. (BVEO), dem Deutschen Raiffeisenverband e.V. (DRV), den Familienbetrieben Land und Forst e.V. (FabLF), der Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft e.V. (UNIKA), dem Deutschen Weinbauverband e.V. (DWV) sowie dem Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG).

Die Pressemitteilung des DBV finden Sie über diesen Link.

 

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CO2-Besteuerung beim Diesel aussetzen

„Die aktuellen Kostensteigerungen können von der Landwirtschaft schlichtweg nicht getragen werden“, warnt DBV-Präsident Joachim Rukwied.

Der Irankrieg und die aktuellen wirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht zu übersehen, die Preise an den Tankstellen sind nach oben geschossen. Auch die Stickstoffdüngerpreise zogen deutlich an. Der Bauernverband sieht die Bundespolitik in der Pflicht, die Landwirtinnen und Landwirte bei den exorbitanten Dieselkosten zu entlasten. Dafür gibt es bei der CO₂-Abgabe Möglichkeiten. Der Bauernpräsident fordert die Bundesregierung deshalb auf, die CO₂-Besteuerung beim Diesel für die Landwirtschaft und die gesamte Wirtschaft temporär zeitnah auszusetzen. Das würde Bereichen wie der Landwirtschaft und dem Transportgewerbe eine spürbare Erleichterung bringen, die notwendig ist.

Rukwied erklärte: „Unsere Kosten für Betriebsmittel oder Energie steigen deutlich an, gleichzeitig haben wir bei den meisten landwirtschaftlichen Produkten Tiefstpreise. Das passt nicht zusammen. Gerade jetzt für die Frühjahrsbestellung sind die sprunghaften Preissteigerungen beim Diesel besonders schmerzhaft.“

Die Pressemitteilungen des DBV können über folgende Seite abonniert werden: https://www.bauernverband.de/presse-medien/newsletter-pressemitteilungen

März-Kommentar im Informationsheft

Werte Mitglieder, werte Leserinnen und Leser,

ein gutes halbes Jahr vor der Landtagswahl hat sich unsere Landesregierung neu aufgestellt. Was im Sommer letzten Jahres noch nicht absehbar und nicht geplant war, wurde nun vollzogen, nämlich der vorzeitige Amtswechsel im Amt des Ministerpräsidenten. Neben der erfolgreichen Wahl von Sven Schulze wurde entschieden, dass das Amt des Ministers für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten für den auslaufenden Rest der Legislatur in Personalunion von Finanzminister Michael Richter übernommen wird. Eine Entscheidung, die man immer von zwei Seiten aus betrachten kann und die mehrheitlich für erhebliche Verwunderung und Diskussionen besonders unter Landwirten und im ländlichen Raum geführt hat. Landwirte sind da sensibler als man so denkt.

Nicht dass man dem Finanzminister, der mit der Führung mehrerer Ministerien schon Erfahrung hat, eine weitere Hausleitung nicht zutraut. Es ist eher das unterschwellige Störgefühl, dass man keines wirklich eigenen Ministers mehr bedarf und die vielfältigen Themen der Landwirtschaft scheinbar nebenbei abgewickelt werden können. Was aufgrund der Themenbreite und Herausforderungslagen der Branche nicht funktionieren wird, sondern derzeit eher maximalen Fokus verlangt. Dass trotzdem alles weiter seinen politischen und verwaltungstechnischen Gang geht und das Ministerium nur an der Spitze eine Veränderung erfahren hat, das muss als Gegenargument dazu angebracht werden. Und ob eine neue Person als Minister bis faktisch nur zur Sommerpause viel hätte bewirken können, das andere.

Es wäre jedoch ein sichtbares personelles Signal gewesen, dass man es sehr ernst meint mit dem ländlichen Raum und auch keine Luft an das Ministerium lässt, dass par excellence ein Ministerium für den ländlichen Raum ist. Wie so vieles im Leben ist gute und offene Kommunikation der Landespolitik nun von Nöten, um die Diskussionen gründlich einzufangen und klar zu signalisieren, dass man sich wie bisher auf allen Ebenen bis hin zur Staatskanzlei für unsere Belange einsetzen wird. Diese Botschaft muss bei Landwirten ankommen, die als Multiplikatoren erhebliches Wählerpotential aufweisen.

Die eingangs erwähnte Sensibilität von Landwirten für politische Aktivitäten greift ebenso in der aktuellen wirtschaftlichen Lage und ist eine Chance für das zuständige Ministerium, sich zu profilieren. Bis auf wenige besser laufende Produktsparten wie Geflügel und Rinder arbeiten im Gegensatz dazu Marktfrüchte, Kartoffeln, Zuckerrüben, Milch und Schwein und auch Biogas in wirtschaftlich schwieriger See mit vor allem beim Getreide wenig Aussicht auf nötige Erlössteigerungen. Der Weltmarkt gibt gerade und auf längere Sicht nichts her und parallel ist Mineraldünger preislich sehr teuer. Von den weiter steigenden CO²-Kosten und Dieselpreisen noch gar nicht gesprochen plus permanenter Anpassungen bei Löhnen. Das Ende der Fahnenstange möglicher weiterer finanzieller Belastungen ist mehr als erreicht und es gibt Signale, dass etliche Betriebe in einer Liquiditätskrise sind und Mühe haben werden, die nächste Ernte finanziell zu erreichen. Die Beschreibung geht über das der Branche anheftende Lamenti hinweg, dass es nie gut läuft, denn diese Situation ist tatsächlich anders. Die nun unter Landwirten teilweise aufkommenden Diskussionen um nötige Pachtpreisanpassungen an die wirtschaftlichen Realitäten zeigen, dass es ernst ist. Diese kämen, aber wenn mit so viel Verzug erst an, dass sie nicht wirklich zügig wirksam werden. Das Beispiel zeigt deutlich auf, dass es wirklich kompliziert ist und teilweise schon brennt auf den Betrieben.

In dieser Situation wäre es angebracht, die Partner der Branche zusammen zu bringen, um auszuloten, wo landesseitig Unterstützung geleistet werden kann. Seitens der Politik können es Maßnahmen sein, die unnötige kostenträchtige Verschärfungen mindestens aussetzen, die TA-Luft sei exemplarisch genannt, aber auch generell alles, was auf den Betrieben Kosten in der Verwaltung verursacht. Gleichzeitig müssen mindestens Berufsstand, Handel und Banken mit an Bord, faktisch ein zeitnaher Wirtschaftsgipfel für die Landwirtschaft. Landwirte sind nicht nur sensibel, sondern auch realistisch. Sie wissen, dass sie schon auch selbst aktiv werden müssen für ihre Betriebe, aber registrieren, wenn man sich versucht politisch landesseitig federführend zu kümmern. Dieses Signal und Format wäre eine Chance, um die eingangs zitierten Störgefühle zu reduzieren.

 

Marcus Rothbart
Hauptgeschäftsführer des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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Projekte gehen in die nächste Runde!

Auch in diesem Jahr geht es mit den LEADER/CLLD-Projekten „Beruf-Perspektive-Dorf“ und „Dorf-macht-Schule“ weiter. Wieder dabei sind die Thomas-Müntzer-Schule aus Wernigerode und die Gemeinschaftsschule aus Egeln sowie aus Oschersleben. Neu hinzugekommen sind Sekundarschulen aus Wanzleben, Genthin und Burg. Begleitet und unterstützt werden die Projekte durch die Kreisbauernverbände Nordharz, Salzland und Jerichower Land.

Bereits vergangene Woche fanden in den genannten Schulen die Auftaktveranstaltungen statt. Die Schülerinnen und Schüler freuten sich, dass auch sie an dem Projekt teilnehmen dürfen und sind schon ganz gespannt auf die nächsten Termine. Auch in diesem Intervall werden die Projekte durch Landwirtschaftsbetriebe unterstützt.

Unsere Ausbildungsplatzbörse finden Sie unter https://grüne-berufe.de/

Ziel: Junge Menschen für Land und Landwirtschaft begeistern!

Fortlaufend Neuigkeiten im Portal

Im Mitgliederportal des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt stehen Ihnen viele aktuelle Informationen gebündelt zur Verfügung. Dort finden Sie unter anderem wichtige Hinweise zu Politik und Verwaltung, Neues aus der Verbandsarbeit, aktuelle Unterlagen und regelmäßige Updates zu Themen, die für Ihren Betrieb relevant sind.

Der Zugang ist unkompliziert, eine Registrierung ist nicht notwendig. Sie benötigen lediglich Ihre Mitgliedsnummer (7 Zahlen) und Ihr Mitgliedspasswort (8 Buchstaben). Sie können über PC, Tablet oder Smartphone jederzeit zugreifen.

Falls Sie Ihre Mitgliedsnummer oder Ihr Passwort nicht zur Hand haben, helfen wir Ihnen schnell weiter. Melden Sie sich gerne bei Ihrer Kreisgeschäftsstelle oder schreiben Sie eine E-Mail an mitgliedschaft@bauernverband-st.de.

Verzerrte Berichte zum Agrardiesel

Medieninformation 03/2026

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. kritisiert eine verkürzte Berichterstattung zur Agrardieselsteuer-Rückvergütung. Der Schluss, dass die Rückvergütung für die Landwirtschaft nicht wichtig sei, weil ein Teil der Betriebe keinen Antrag stellt, ist falsch.

Die Strukturen in der Landwirtschaft sind vielfältig. Für kleine Betriebe fällt die mögliche Rückvergütung niedrig aus, während der Aufwand für die Antragstellung und Nachweise trotzdem hoch ist. Wer den Dieseleinsatz nicht immer nach Einsatzart trennen kann oder Unsicherheiten bei der Beantragung vermeiden will, entscheidet sich mitunter gegen einen Antrag. Eine nicht vollständige Inanspruchnahme ist daher leicht strukturell erklärbar und kein Hinweis darauf, dass die Entlastung unwichtig wäre.

Die teilweise Agrardieselsteuer-Rückvergütung wirkt dort, wo sie gebraucht wird: bei Betrieben mit hohem Maschineneinsatz, die für Bodenbearbeitung, Aussaat, Ernte und innerbetriebliche Transporte in erheblichem Umfang auf Diesel angewiesen sind. Diese Betriebe stehen im internationalen Wettbewerb, können Energiekosten nicht kurzfristig ersetzen und Kostensteigerungen in der Produktion nicht einfach am Markt durchsetzen. Die teilweise Rückvergütung ist ein gezielter Ausgleich eines strukturellen Kostennachteils.

Wir wollen und brauchen die ganze Vielfalt der Betriebe – kleine und nebenerwerbliche Betriebe ebenso wie größere Mehrfamilienbetriebe. Wer Landwirtschaft seriös einordnen möchte, muss die unterschiedlichen Betriebsstrukturen berücksichtigen. 

 

Hinweis

Die durch den BR am 11.02.2026 veröffentlichten Zahlen stehen in starkem Gegensatz zu einer Umfrage unter Landwirtinnen und Landwirten in Sachsen-Anhalt zu dem Thema. Auch viele Betriebe mit wenig bewirtschafteter Fläche geben an, dass sie einen Antrag auf die teilweise Agrardieselsteuer-Rückvergütung stellen. Der Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. hat daher eine Anfrage an den Zoll gestellt, um die Angaben und die Berechnung für Sachsen-Anhalt zu prüfen.

Februar-Kommentar im Informationsheft

Liebe Berufskolleginnen und -kollegen, liebe Leserinnen und Leser,

Frauen gehören zur Landwirtschaft: Sie prägen Familien, Betriebe und ländliche Räume. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum „International Year of the Woman Farmer“ erklärt. Das ist ein wichtiges Signal. In Sachsen-Anhalt sind 11 Prozent der Betriebsleiter Frauen. Noch öfter sind sie Mitunternehmerinnen und besonders oft halten sie im Alltag vieles zusammen, was nach außen nicht sichtbar ist.

Diese Sichtbarkeit ist jedoch wichtig, nicht als Symbol, sondern als Anerkennung für echte Leistung. Unsere Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt ist stark, weil viele Frauen Verantwortung übernehmen. Sie entscheiden mit, sie organisieren, sie führen Mitarbeitende. Sie kümmern sich um Tiere, Äcker, Buchführung, Vermarktung und Ausbildung. Sie bringen neue Perspektiven auf die Höfe und sie sorgen dafür mit, dass Betriebe zukunftsfähig bleiben.

Trotzdem gibt es Punkte, bei denen wir als Gesellschaft und auch innerhalb der Branche genauer hinschauen müssen. Ein sehr wichtiges Thema ist die soziale Absicherung. Frauen arbeiten häufig über Jahre und Jahrzehnte im Betrieb mit, nicht immer ist das verlässlich in der Altersvorsorge abgebildet. Die Alterssicherung der Landwirte ist ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge, der sowohl Landwirtinnen, Ehepartnerinnen als auch mitarbeitende Familienangehörige absichert. Allerdings ist die Alterssicherung der Landwirte nur ein Baustein, der bei weitem nicht ausreicht, um ein auskömmliches Leben im Alter sicherzustellen.

Das ist ein Risiko und einer Lebensleistung nicht gerecht. Häufig hört man den Einwand, dass der Betrieb die Altersvorsorge sei. Das Argument ist nachvollziehbar, aber von den besten Jahren bis zum Altenteil kann viel passieren. Sollte beispielsweise der Ehepartner zu früh verscheiden, oder die Erben wollen oder können den Hof nicht übernehmen, wird es schwierig. Wer täglich Verantwortung trägt, muss später auch ausreichend abgesichert sein. Hier brauchen wir mehr Bewusstsein und wir brauchen Lösungen.

Das UN-Jahr soll mehr sein als ein Motto, es sollte Gespräche anstoßen. In Familien. In Betrieben. In der Politik. In Verbänden. Es geht um Wertschätzung, es geht um faire Rahmenbedingungen. Es geht auch um die Frage, wie wir Talente halten und gewinnen. Denn ohne Frauen fehlt uns ein großer Teil der Kompetenz, der Erfahrung und der Zukunftskraft in der Landwirtschaft.

Ich wünsche mir, dass wir Frauen in allen Bereichen der Landwirtschaft noch sichtbarer werden. Dass die Bedeutung der Frauen in der Landwirtschaft gestärkt wird. Vor allem aber wünsche ich mir, dass daraus konkrete Schritte in diese Richtung folgen. Damit Frauen in der Landwirtschaft nicht nur mitarbeiten, sondern als gleich anerkannt und abgesichert ihren Platz haben. Und ich wünsche uns allen, dass noch mehr junge Frauen sich in Verbänden und Gremien einbringen, um ihre Perspektiven einzubringen. Denn das ist ein Gewinn für unsere Betriebe, die Landwirtschaft und den gesamten ländlichen Raum.

 

Katrin Beberhold
Vizepräsidentin des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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Berliner Erklärung gegen Kappung und Degression

Die Ost-Agrarminister und Ost-Bauernverbände haben sich am Sonntagabend (18. Januar), im Rahmen der Grünen Woche, gegen die geplante Kappung und Degression der Agrarförderung ausgesprochen. In einer gemeinsamen „Berliner Erklärung“ heißt es dazu: Die Ansätze zur Kappung und Degression ignorieren Arbeitskräfteeinsatz, Wertschöpfung, regionale Verantwortung und Beschäftigungswirkung und führen insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern zu einer systematischen Benachteiligung leistungsfähiger Betriebe.

Die von der EU geplanten Instrumente benachteiligen die historisch gewachsenen Strukturen in Ostdeutschland und gefährden diese damit in ihrem Bestand. Diese Betriebe sind in den ostdeutschen Bundesländern jedoch die größten Flächenbewirtschafter sowie Tierhalter und damit ganz wesentliche Akteure in der Produktion hochwertiger Nahrungsmittel und für den Erhalt der Kulturlandschaften und des ländlichen Raums.

Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, fordert: „In der GAP dürfen die landwirtschaftlichen Strukturen im Osten Deutschlands nicht benachteiligt werden. Verbände und Ministerien lehnen Kappung und Degression klar ab! Wir fordern eine starke 1. Säule, mehr Anreize und mehr Flexibilität.“

Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister Sven Schulze betont in einer Pressemitteilung: „Im Bereich der Einkommensgrundstützung würde das Land nach derzeitigem Stand rund 40 Prozent der Mittel verlieren. Von der geplanten Degression wären in Sachsen-Anhalt rund die Hälfte unserer Betriebe und fast 95 Prozent der verfügbaren landwirtschaftlichen Fläche betroffen. Brüssel muss verstehen, dass wir das nicht hinnehmen werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028 muss Einkommen sichern, Wettbewerbsfähigkeit erhalten und dabei die realen Strukturen unserer Landwirtschaft anerkennen. Kappung, Degression und Bedürftigkeitsprüfungen lehnen wir entschieden ab. Jeder Hektar muss gleich viel wert sein. Wer leistungsfähige Betriebe schwächt, gefährdet Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Stabilität im ländlichen Raum.“

Link zur „Berliner Erklärung“

Landwirtschaft erfordert Wirtschaftlichkeit!

Jahresauftakt-Pressekonferenz 2026 des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. hat bei seiner Pressekonferenz am 14. Januar 2026 die wirtschaftliche Lage in den Mittelpunkt gestellt. Hohe Betriebsmittelkosten, steigende Löhne und höhere Finanzierungskosten treffen die landwirtschaftlichen Betriebe. Aus Sicht des Verbandes braucht es politische Entscheidungen, die bessere Planungssicherheit schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit deutlich stärken.

„Entscheidend ist, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für unsere Betriebe positiv entwickeln. Wenn Kosten weiter steigen, geraten Investitionen, Betriebsnachfolge und am Ende auch die Versorgungssicherheit unter Druck. Deshalb müssen politische Entscheidungen die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Produktion stärken“, sagt Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

Der Verband begrüßt, dass die Bundesregierung die Agrarpolitik im vergangenen Jahr neu ausgerichtet hat und erste Verbesserungen umgesetzt wurden, etwa durch die Weiterführung des Agrardiesels und die Abschaffung der Stoffstrombilanz. Gleichzeitig bleibt der finanzielle Spielraum begrenzt und der nötige Abbau von Bürokratie stockt weiterhin: Der Vorstand verwies auf die anhaltend hohe Belastung durch relativ teure Betriebsmittel wie Dünger, Pflanzenschutz, Saatgut und Futtermittel. Energiepreise wirken auf alle Arbeitsschritte, zugleich steigen Lohnkosten. Viele Kosten sind kurzfristig kaum beeinflussbar. Das bremst Investitionen und erhöht das Risiko in den Betrieben.

Weitere Themen waren die wirtschaftliche Situation in der Tierhaltung, die Entwicklungen in den Bereichen Pflanzenschutz und Düngung, das Thema Wolf sowie der Generationswechsel in der Landwirtschaft.