Verzerrte Berichte zum Agrardiesel

Medieninformation 03/2026

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. kritisiert eine verkürzte Berichterstattung zur Agrardieselsteuer-Rückvergütung. Der Schluss, dass die Rückvergütung für die Landwirtschaft nicht wichtig sei, weil ein Teil der Betriebe keinen Antrag stellt, ist falsch.

Die Strukturen in der Landwirtschaft sind vielfältig. Für kleine Betriebe fällt die mögliche Rückvergütung niedrig aus, während der Aufwand für die Antragstellung und Nachweise trotzdem hoch ist. Wer den Dieseleinsatz nicht immer nach Einsatzart trennen kann oder Unsicherheiten bei der Beantragung vermeiden will, entscheidet sich mitunter gegen einen Antrag. Eine nicht vollständige Inanspruchnahme ist daher leicht strukturell erklärbar und kein Hinweis darauf, dass die Entlastung unwichtig wäre.

Die teilweise Agrardieselsteuer-Rückvergütung wirkt dort, wo sie gebraucht wird: bei Betrieben mit hohem Maschineneinsatz, die für Bodenbearbeitung, Aussaat, Ernte und innerbetriebliche Transporte in erheblichem Umfang auf Diesel angewiesen sind. Diese Betriebe stehen im internationalen Wettbewerb, können Energiekosten nicht kurzfristig ersetzen und Kostensteigerungen in der Produktion nicht einfach am Markt durchsetzen. Die teilweise Rückvergütung ist ein gezielter Ausgleich eines strukturellen Kostennachteils.

Wir wollen und brauchen die ganze Vielfalt der Betriebe – kleine und nebenerwerbliche Betriebe ebenso wie größere Mehrfamilienbetriebe. Wer Landwirtschaft seriös einordnen möchte, muss die unterschiedlichen Betriebsstrukturen berücksichtigen. 

 

Hinweis

Die durch den BR am 11.02.2026 veröffentlichten Zahlen stehen in starkem Gegensatz zu einer Umfrage unter Landwirtinnen und Landwirten in Sachsen-Anhalt zu dem Thema. Auch viele Betriebe mit wenig bewirtschafteter Fläche geben an, dass sie einen Antrag auf die teilweise Agrardieselsteuer-Rückvergütung stellen. Der Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. hat daher eine Anfrage an den Zoll gestellt, um die Angaben und die Berechnung für Sachsen-Anhalt zu prüfen.

Februar-Kommentar im Informationsheft

Liebe Berufskolleginnen und -kollegen, liebe Leserinnen und Leser,

Frauen gehören zur Landwirtschaft: Sie prägen Familien, Betriebe und ländliche Räume. Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2026 zum „International Year of the Woman Farmer“ erklärt. Das ist ein wichtiges Signal. In Sachsen-Anhalt sind 11 Prozent der Betriebsleiter Frauen. Noch öfter sind sie Mitunternehmerinnen und besonders oft halten sie im Alltag vieles zusammen, was nach außen nicht sichtbar ist.

Diese Sichtbarkeit ist jedoch wichtig, nicht als Symbol, sondern als Anerkennung für echte Leistung. Unsere Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt ist stark, weil viele Frauen Verantwortung übernehmen. Sie entscheiden mit, sie organisieren, sie führen Mitarbeitende. Sie kümmern sich um Tiere, Äcker, Buchführung, Vermarktung und Ausbildung. Sie bringen neue Perspektiven auf die Höfe und sie sorgen dafür mit, dass Betriebe zukunftsfähig bleiben.

Trotzdem gibt es Punkte, bei denen wir als Gesellschaft und auch innerhalb der Branche genauer hinschauen müssen. Ein sehr wichtiges Thema ist die soziale Absicherung. Frauen arbeiten häufig über Jahre und Jahrzehnte im Betrieb mit, nicht immer ist das verlässlich in der Altersvorsorge abgebildet. Die Alterssicherung der Landwirte ist ein wichtiger Baustein der Altersvorsorge, der sowohl Landwirtinnen, Ehepartnerinnen als auch mitarbeitende Familienangehörige absichert. Allerdings ist die Alterssicherung der Landwirte nur ein Baustein, der bei weitem nicht ausreicht, um ein auskömmliches Leben im Alter sicherzustellen.

Das ist ein Risiko und einer Lebensleistung nicht gerecht. Häufig hört man den Einwand, dass der Betrieb die Altersvorsorge sei. Das Argument ist nachvollziehbar, aber von den besten Jahren bis zum Altenteil kann viel passieren. Sollte beispielsweise der Ehepartner zu früh verscheiden, oder die Erben wollen oder können den Hof nicht übernehmen, wird es schwierig. Wer täglich Verantwortung trägt, muss später auch ausreichend abgesichert sein. Hier brauchen wir mehr Bewusstsein und wir brauchen Lösungen.

Das UN-Jahr soll mehr sein als ein Motto, es sollte Gespräche anstoßen. In Familien. In Betrieben. In der Politik. In Verbänden. Es geht um Wertschätzung, es geht um faire Rahmenbedingungen. Es geht auch um die Frage, wie wir Talente halten und gewinnen. Denn ohne Frauen fehlt uns ein großer Teil der Kompetenz, der Erfahrung und der Zukunftskraft in der Landwirtschaft.

Ich wünsche mir, dass wir Frauen in allen Bereichen der Landwirtschaft noch sichtbarer werden. Dass die Bedeutung der Frauen in der Landwirtschaft gestärkt wird. Vor allem aber wünsche ich mir, dass daraus konkrete Schritte in diese Richtung folgen. Damit Frauen in der Landwirtschaft nicht nur mitarbeiten, sondern als gleich anerkannt und abgesichert ihren Platz haben. Und ich wünsche uns allen, dass noch mehr junge Frauen sich in Verbänden und Gremien einbringen, um ihre Perspektiven einzubringen. Denn das ist ein Gewinn für unsere Betriebe, die Landwirtschaft und den gesamten ländlichen Raum.

 

Katrin Beberhold
Vizepräsidentin des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

Blick ins Heft:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das komplette Informationsheft finden Mitglieder in den kommenden Tagen in der Briefpost oder vorab im Mitgliederportal.

Berliner Erklärung gegen Kappung und Degression

Die Ost-Agrarminister und Ost-Bauernverbände haben sich am Sonntagabend (18. Januar), im Rahmen der Grünen Woche, gegen die geplante Kappung und Degression der Agrarförderung ausgesprochen. In einer gemeinsamen „Berliner Erklärung“ heißt es dazu: Die Ansätze zur Kappung und Degression ignorieren Arbeitskräfteeinsatz, Wertschöpfung, regionale Verantwortung und Beschäftigungswirkung und führen insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern zu einer systematischen Benachteiligung leistungsfähiger Betriebe.

Die von der EU geplanten Instrumente benachteiligen die historisch gewachsenen Strukturen in Ostdeutschland und gefährden diese damit in ihrem Bestand. Diese Betriebe sind in den ostdeutschen Bundesländern jedoch die größten Flächenbewirtschafter sowie Tierhalter und damit ganz wesentliche Akteure in der Produktion hochwertiger Nahrungsmittel und für den Erhalt der Kulturlandschaften und des ländlichen Raums.

Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, fordert: „In der GAP dürfen die landwirtschaftlichen Strukturen im Osten Deutschlands nicht benachteiligt werden. Verbände und Ministerien lehnen Kappung und Degression klar ab! Wir fordern eine starke 1. Säule, mehr Anreize und mehr Flexibilität.“

Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Landwirtschaftsminister Sven Schulze betont in einer Pressemitteilung: „Im Bereich der Einkommensgrundstützung würde das Land nach derzeitigem Stand rund 40 Prozent der Mittel verlieren. Von der geplanten Degression wären in Sachsen-Anhalt rund die Hälfte unserer Betriebe und fast 95 Prozent der verfügbaren landwirtschaftlichen Fläche betroffen. Brüssel muss verstehen, dass wir das nicht hinnehmen werden. Die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028 muss Einkommen sichern, Wettbewerbsfähigkeit erhalten und dabei die realen Strukturen unserer Landwirtschaft anerkennen. Kappung, Degression und Bedürftigkeitsprüfungen lehnen wir entschieden ab. Jeder Hektar muss gleich viel wert sein. Wer leistungsfähige Betriebe schwächt, gefährdet Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Stabilität im ländlichen Raum.“

Link zur „Berliner Erklärung“

Landwirtschaft erfordert Wirtschaftlichkeit!

Jahresauftakt-Pressekonferenz 2026 des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. hat bei seiner Pressekonferenz am 14. Januar 2026 die wirtschaftliche Lage in den Mittelpunkt gestellt. Hohe Betriebsmittelkosten, steigende Löhne und höhere Finanzierungskosten treffen die landwirtschaftlichen Betriebe. Aus Sicht des Verbandes braucht es politische Entscheidungen, die bessere Planungssicherheit schaffen und die Wettbewerbsfähigkeit deutlich stärken.

„Entscheidend ist, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für unsere Betriebe positiv entwickeln. Wenn Kosten weiter steigen, geraten Investitionen, Betriebsnachfolge und am Ende auch die Versorgungssicherheit unter Druck. Deshalb müssen politische Entscheidungen die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Produktion stärken“, sagt Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

Der Verband begrüßt, dass die Bundesregierung die Agrarpolitik im vergangenen Jahr neu ausgerichtet hat und erste Verbesserungen umgesetzt wurden, etwa durch die Weiterführung des Agrardiesels und die Abschaffung der Stoffstrombilanz. Gleichzeitig bleibt der finanzielle Spielraum begrenzt und der nötige Abbau von Bürokratie stockt weiterhin: Der Vorstand verwies auf die anhaltend hohe Belastung durch relativ teure Betriebsmittel wie Dünger, Pflanzenschutz, Saatgut und Futtermittel. Energiepreise wirken auf alle Arbeitsschritte, zugleich steigen Lohnkosten. Viele Kosten sind kurzfristig kaum beeinflussbar. Das bremst Investitionen und erhöht das Risiko in den Betrieben.

Weitere Themen waren die wirtschaftliche Situation in der Tierhaltung, die Entwicklungen in den Bereichen Pflanzenschutz und Düngung, das Thema Wolf sowie der Generationswechsel in der Landwirtschaft.

 

Bauernverband kritisiert Mercosur-Abkommen

Der Bauernverband sieht das geplante Mercosur-Abkommen sehr kritisch. DBV-Präsident Joachim Rukwied betont: „Dieses Abkommen hat zweifellos Bedeutung für die deutsche Wirtschaft, darf aber keinesfalls zu Lasten der deutschen Landwirtschaft gehen. Damit würden wir zukünftig Lebensmittel importieren, die mit deutlich niedrigeren Tierwohl-, Umwelt- und Sozialstandards erzeugt wurden. Diese sind in Deutschland schon lange überholt. Das Ziel der EU, die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft zu stärken, rückt mit diesem Abkommen in weite Ferne. Die EU-Agrarminister müssen die letzte Chance jetzt nutzen!“
Aus Sicht des Bauernverbandes drohen durch das Abkommen spürbare Markteffekte. Da in den Mercosur-Staaten deutlich geringere Tierwohl-, Umwelt-, Klima- und Sozialstandards gelten, ist die Produktion dort oft günstiger. Erwartbar sind daher Wettbewerbsverzerrungen, etwa bei Rindfleisch, Geflügel und Zucker, auch wenn die Importe nur 1 bis 2 Prozent der europäischen Produktion ausmachen sollen. In diesen Produktgruppen gibt es innerhalb der EU bereits eine hohe Selbstversorgung. Damit wäre im Markt mehr Ware verfügbar, die zudem billiger produziert wurde.
Der Bauernverband fordert weiterhin die Nachbesserung des Agrarteils. Im Dezember fand in Brüssel eine große Demonstration statt, an der sich tausende Landwirte aus allen EU-Staaten beteiligten. Gefordert wurde unter anderem: Hohe EU-Standards und Ziele müssen im Abkommen verbindlich verankert werden.

Terminübersicht 2026

2026 bringt wieder eine Vielzahl an Terminen mit sich, nicht nur betrieblich, sondern auch verbandlich und agrarpolitisch. Wir bieten Ihnen im aktuellen Informationsheft einen Überblick über zentrale Termine des Jahres. Unten finden Sie die entsprechenden Seiten als Auszug.

Sie finden viele Termine auch in unserem Online-Kalender und können die dort direkt in Ihren Kalender herunterladen.

Neuigkeiten für Mitglieder im Portal

Zusätzlich zu den Rundschreiben erhalten unsere Mitglieder fortlaufend Neuigkeiten im Mitgliederportal. Hier stellen wir für Sie Informationen zu Veranstaltungen, alle aktuellen Topthemen der Landwirtschaft und Fachthemen zusammen.

Sie gelangen hier zum Mitgliederportal.

Januar-Kommentar im Informationsheft

Werte Mitglieder,
werte Leserinnen und Leser,

neues Jahr und neue Probleme oder neues Jahr und alte Probleme? Wie hätten wir es gerne? Sind wir doch mal ehrlich, einen Jahresstart ohne alte und neue Probleme hätten wir uns alle mehr als verdient. Daraus wird nur leider wenig werden, denn nach allem, was wir in den letzten Tagen des vergangenen Jahres noch auf dem Tisch hatten, ist davon auszugehen, dass das ein frommer Wunsch auf allen Ebenen bleibt.

Die Herausforderungen bleiben für uns alle nicht nur enorm, komplex und vielfältig, sie sind eine dauerhafte mentale Kraftanstrengung. Politisch wird zu wenig abgeräumt und vor allem der Wirtschaft das Wirtschaften zu wenig erleichtert – deshalb ist alles so anstrengend und teilweise perspektivenbefreit. Das wäre die einfache Botschaft, nur die allein reicht als Erklärung nicht aus.

Es fehlt eine größere inhaltliche Klammer einer künftigen Agrarpolitik für die ländlichen Räume. Von Visionen muss man nicht gleich sprechen, aber einer Aufbruchstimmung produzierenden Story, hinter der man die Branche versammeln kann. Nur da findet sich derzeit eher eine Leerposition. Stattdessen arbeiten wir in unendlichen Abstimmungsrunden an vielen politischen und verbandlichen Baustellen im täglichen Klein-Klein.

Diese übergreifende Zukunftserzählung muss, wenn sie entstehen soll, auch unter Einbezug der aktuellen Jugend auf dem Lande geschrieben werden, damit diese ihre künftigen Rahmenbedingungen mitgestaltet. Dass das schwierig ist, in einer realen Phase des wirtschaftlichen Umbruchs an vielen Fronten, mag unbestritten sein. Und dass es inhaltlich anstrengend sein wird, ebenso. Wir können aber auch nicht so weitermachen, denn sonst kommen wir aus dem gesellschaftlichen und medialen Dauerstimmungstief nicht raus.

Dass wir heute auch ökonomisch da sind, wo wir sind, hat sehr viel mit der Verteilungs- und Auflagenpolitik der Vergangenheit zu tun. Mit einer Politik, die Ansporn und Tatkraft in der Wirtschaft so weit an die Kette gelegt hat, dass schon größere Unternehmen die Bürokratiekosten nicht mehr tragen wollen und hier ihre Zelte abbrechen und woanders auf der Welt neu anfangen, wenn sie können. Oder aber schlimmstenfalls in Insolvenz gehen, weil die Produktionskosten nicht mehr in den Griff zu bekommen sind und Märkte wegbrechen.

Um im größeren Kontext zu bleiben: Europa droht den ökonomischen und politischen Anschluss zwischen den Polen im Westen und Osten der Welt zu verlieren und muss sich mehr als dringend abseits von innereuropäischen oder nationalen Befindlichkeiten strategisch neu und gut aufstellen. Eigentlich schon länger bekannt, nur leider bisher nicht erfolgt.

Das ist nicht zuletzt ein Ergebnis von Misstrauenspolitik gegenüber dem unternehmerischen Bürger und einer über Dekaden kultivierten antikapitalistischen und unternehmerfeindlichen Einstellung in Teilen der Gesellschaft, befeuert und begleitet durch einen Teil der auflagengetriebenen Medienlandschaft.

Die Gefahr einer Ausrichtung liegt immer in der Übertreibung in eine Richtung und zu merken ist, dass das Pendel umschlägt und Bürger es nicht mehr ertragen wollen, sich für jeden kleinen Schritt rechtfertigen zu müssen. Wir wollen nur hoffen, dass der Pendelausschlag in die andere Richtung nicht zu ebensolchen Übertreibungen führt und wir auf dem Weg der vertretbaren Mitte bleiben. Nur mit diesem werden wir eine vernünftige Zukunft organisieren können. Lassen sie uns daran arbeiten und sorgen sie mit dafür, dass die Tatkräftigen und bestenfalls positiv eingestellten das Land voranbringen.

 

Marcus Rothbart
Hauptgeschäftsführer des
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.

 

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