Juni-Kommentar im Informationsheft
Werte Mitglieder,
werte Leserinnen und Leser,
das erste Jahr der Bundesregierung liegt hinter uns – und damit auch ein Jahr, in dem viele landwirtschaftliche Betriebe auf spürbare Verbesserungen der politischen Rahmenbedingungen gehofft haben. Tatsächlich sind erste Schritte erkennbar, die zeigen, dass Anliegen aus dem ländlichen Raum stärker wahrgenommen werden. Die Abschaffung der Stoffstrombilanz, die Wiedereinführung der Agrardieselrückerstattung, Entlastungen bei Meldepflichten sowie die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht sind wichtige Signale. Sie zeigen, dass fachliche Argumente und der gemeinsame Einsatz vieler Landwirte Wirkung entfalten können.
Dennoch bleibt die Gesamtbilanz aus Sicht der Landwirtschaft verhalten. Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, um die wirtschaftlichen Herausforderungen der landwirtschaftlichen Unternehmen spürbar zu entschärfen. Steigende Energie- und Lohnkosten, hohe Anforderungen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz sowie zunehmend volatile Märkte setzen die Unternehmen weiterhin unter erheblichen Druck. Gleichzeitig erfüllen unsere Betriebe in der Produktion sehr hohe Standards bei Tierwohl, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit. Wir sind bereit, diese Verantwortung zu tragen und unsere Betriebe weiterzuentwickeln. Dafür brauchen wir jedoch Planungssicherheit, verlässliche politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Perspektiven.
Gerade die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie wichtig eine starke heimische Landwirtschaft ist. Globale Krisen und gestörte Lieferketten haben wiederholt gezeigt, dass Ernährungssicherheit keine Selbstverständlichkeit ist. Umso wichtiger ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft zu stärken. Bürokratieabbau darf deshalb kein Schlagwort bleiben, sondern muss in der Praxis konsequent umgesetzt werden.
Wie Unternehmer ihre Betriebe stetig an neue Herausforderungen anpassen müssen, ist auch die Bundesregierung gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Entwicklung ermöglichen statt behindern. Die Landwirtschaft braucht mehr Vertrauen, mehr Verlässlichkeit und mehr Mut zu politischen Entscheidungen. Unsere Betriebe leisten täglich ihren Beitrag für Versorgungssicherheit, den ländlichen Raum sowie Klima- und Umweltschutz. Jetzt braucht es eine Politik, die diesen Einsatz nicht nur anerkennt, sondern aktiv unterstützt. Der angesprochene Bürokratieabbau ist dafür wichtig. Sogar noch wichtiger ist aber, dass der angekündigte Politikwechsel für die Landwirtinnen und Landwirte spürbar wird.
Olaf Feuerborn
Präsident
Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V.
Blick ins Heft:
Das komplette Informationsheft finden Mitglieder in den kommenden Tagen in der Briefpost oder vorab im Mitgliederportal.


