Pressemitteilung: Erntebilanz 2026 in Sachsen-Anhalt
Medieninformation 08/2026
Magdeburg, 19. August 2026
Erntebilanz 2026 in Sachsen-Anhalt
Olaf Feuerborn, Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V., fasst die Situation zusammen: „Die Landwirtinnen und Landwirte haben viel in ihre Ernte investiert, die Kosten für Kraftstoff, Pflanzenschutz- und Düngemittel sind sehr hoch. Die Erzeugerpreise liegen aber um fast 14 % unter dem Niveau des Vorjahres. In Kombination mit den unterdurchschnittlichen Getreideergebnissen und einer schlechten Ernte beim Raps ergibt das eine wirtschaftlich sehr angespannte Situation.“
Drei sehr wichtige Feldfrüchte sind Wintergerste, Winterweizen und Winterraps.
Die Wintergerste konnte ihre Erträge einigermaßen stabil halten, mit landesweit durchschnittlich 77,6 dt/ha. Damit liegt der Ertrag etwas unter dem Vorjahresergebnis. Durch den früheren Erntezeitpunkt konnten die Pflanzen besser von den Niederschlägen in der ersten Jahreshälfte profitieren und waren weniger durch den Hitzestress beeinträchtigt. Das Erntegut trifft auf eine geringe Nachfrage am Markt, was auf die Preise und Absatzmöglichkeiten drückt.
Beim Winterweizen, der wichtigsten Pflanze im Ackerbau, liegt der Ertrag im Landesdurchschnitt bei rund 66,3 Dezitonnen pro Hektar. Das sind rund 10 dt/ha weniger als im Vorjahr. In besseren Jahren sind durchschnittliche Erträge von über 80 dt/ha möglich. Grund für das Ernteergebnis ist maßgeblich die Hitze in Kombination mit den viel zu geringen Niederschlagsmengen. Auf die Erträge und besonders die Qualitäten des Weizens und damit auf die Marktpreise drücken weiterhin die Auswirkungen der „Roten Gebiete“. Damit verbundene Vorgaben hatten eine Unterversorgung der Pflanzen vorgeschrieben.
Katastrophal ist die Situation beim Winterraps. Das landesdurchschnittliche Ergebnis von 24,1 dt/ha liegt um mehr als 10 dt/ha unter dem Mittel der letzten fünf Jahre. Die Trockenheit ist auch hier der Hauptgrund. Hinzu kommt die schwierige Situation beim Pflanzenschutz. Die Rapspflanzen sind durch Schädlinge seit der Aussaat im Herbst 2025 stark unter Druck gewesen. Das war schon bei der letzten Ernte problematisch, die mit rund 34 dt/ha bereits nicht gut war.
Unabhängig von den individuellen Ernteergebnissen der Betriebe ist die Versorgungssituation mit Wasser überall im Land wirklich schlecht. Das wirkt sich auf den Entwicklungszustand der Pflanzen aus, die noch im Boden sind, u. a. bei Kartoffeln und Zuckerrüben. Diese sind aufgrund der fehlenden Niederschläge in ihrer Entwicklung weit zurück und leiden unter Hitzestress, was sie wiederum anfälliger für Schädlinge macht. Auch Sojabohnen und Mais stehen schlechter als im Vorjahr, obwohl beide Pflanzen mit warmer Witterung besser zurechtkommen. Fehlendes Wasser ist aber auch hier der Grund für das schlechte Abschneiden.
Wenn die Maisernte noch einigermaßen gelingt, sollten die Futterreserven bis in das kommende Jahr reichen. Auf dem Grünland konnte zwar nur vereinzelt eine gute Ernte eingefahren werden, insgesamt war die Futtermenge auf der Fläche aber ausreichend. Diese Entwarnung bei der Futtersituation liegt jedoch nicht an einer guten Ernte, sondern daran, dass der Tierbestand in den letzten Jahren deutlich gesunken ist. Das sind keine guten Nachrichten – für einen rechnerisch idealen Nährstoffkreislauf bräuchte Sachsen-Anhalt rund das Vierfache an Tierhaltung.
Forderungen an die Bundesregierung
Die wirtschaftliche Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe erfordert konkrete Entlastungen. Dazu gehört eine spürbare Senkung der Produktionskosten, insbesondere beim Diesel. Gleichzeitig muss die im Koalitionsvertrag vereinbarte steuerfreie Risikoausgleichsrücklage zügig eingeführt werden. Sie soll den Betrieben ermöglichen, finanzielle Rücklagen für Jahre mit starken Ertrags- und Einkommensschwankungen zu bilden. Für die Gemeinsame Agrarpolitik ab 2028 braucht es ein eigenständiges, verlässliches und inflationsfestes Agrarbudget. Nur mit einer ausreichenden finanziellen Ausstattung können die Betriebe ihre Aufgaben bei der Lebensmittelproduktion und der Bewirtschaftung der Kulturlandschaft dauerhaft erfüllen.
Hintergrund zum Rapsanbau
In der Ernteumfrage des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e.V. werden verschiedene Kulturen erfasst, im Fokus sind Wintergerste, Winterweizen und Winterraps. Diese stehen auf rund der Hälfte der Ackerfläche in Sachsen-Anhalt und machen für viele Ackerbaubetriebe das Kerngeschäft aus. Aus diesem Grund ist auch die Entwicklung des Rapsanbaus für die Landwirtschaft in Sachsen-Anhalt von großer Bedeutung.
Beim Winterraps ist der Anbau ein immer größeres wirtschaftliches Risiko. Das liegt zum einen an der schwankenden Niederschlagsverteilung. Insbesondere nach der Aussaat im Herbst und während des Heranwachsens der Pflänzchen ist verfügbares Wasser wichtig. Zum anderen ist die Pflanzenschutzsituation im Raps sehr schwierig, Gründe dafür sind der Wegfall wichtiger Wirkstoffe und ein hoher Befallsdruck durch Schädlinge wie Rapsglanzkäfer, Rapserdfloh und Schilf-Glasflügelzikade. Teile der Flächen werden gar nicht geerntet, sondern im Frühjahr wieder umgebrochen. Zu diesem Zeitpunkt sind bereits mehrere hundert Euro pro Hektar investiert worden. Geschädigte Pflanzen und damit verbundene, absehbare Einbußen bei der Qualität der Körner, insbesondere beim Ölgehalt, führen zu erheblichen Abschlägen beim Erzeugerpreis.
Der Raps hat in Sachsen-Anhalt nicht nur wegen seines Verkaufserlöses eine Bedeutung. Er erfüllt eine wichtige Funktion für die Fruchtfolge. Wenn sein Anbau zurückgeht, braucht es andere wirtschaftlich tragfähige Blattfrüchte. Diese stehen aber nicht auf jedem Standort zur Verfügung, benötigen teils erhebliche Investitionen in Technik und sind nur eingeschränkt vermarktbar. Die Frage der Zukunft des Rapsanbaus ist letztlich eine Frage der Zukunft vielfältiger und wirtschaftlich tragfähiger Fruchtfolgen.
Symbolbild_Getreide_mrtx_pixabay


