Oktober-Kommentar im Informationsheft
Werte Verbandsmitglieder, liebe Bäuerinnen und Bauern,
ein durchschnittliches Ernteergebnis reicht heute bei vielen Kulturen oft nicht aus, um die Kosten zu decken. Das ist eine Entwicklung, die nicht nur Landwirtinnen und Landwirten große Sorgen bereiten muss. Denn wenn selbst bei normalen Erträgen kaum noch ein gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielt werden kann, wird deutlich, wie stark sich die Kostenstrukturen in der Landwirtschaft verändert haben.
Dabei liegt es nicht daran, dass unsere Betriebe nicht effizient genug arbeiten. Die Landwirtschaft in Deutschland ist hochmodern und leistungsfähig, wir setzen Betriebsmittel gezielt und effizient ein. Moderne Maschinen, digitale Technologien, präzise Ausbringverfahren und umfangreiches Fachwissen ermöglichen eine Produktion auf höchstem Niveau. Im europäischen und internationalen Vergleich stehen unsere Betriebe bei der Effizienz ihres Betriebsmitteleinsatzes sehr gut da. Wir verfügen vielerorts über gute Böden, notwendige Infrastruktur, gut ausgebildete Fachkräfte sowie gewachsene Strukturen in Verarbeitung und Vermarktung. Trotzdem wird es für die Betriebe zunehmend schwieriger, unter diesen Voraussetzungen auskömmlich zu wirtschaften. Und das Ziel von Unternehmen kann gar nicht nur ein Auskommen sein, sondern es müssen Gewinne erwirtschaftet werden, um wieder zu investieren.
Der entscheidende Punkt ist die Kostenentwicklung. Diesel, Maschinen, Dünger, Dienstleistungen, Löhne und weitere Betriebskosten sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Gleichzeitig können landwirtschaftliche Unternehmen die gestiegenen Kosten nicht weitergeben. Die Preise für fast alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse werden auf nationalen und internationalen Märkten gebildet. Das führt dazu, dass steigende Kosten unmittelbar auf die wirtschaftliche Situation der Betriebe durchschlagen. In diesem Jahr kommt eine schwierige Witterung hinzu, für viele Kulturen waren die Bedingungen nicht optimal. Das gehört zur Landwirtschaft, wir wirtschaften mit der Natur und akzeptieren, dass es auch schlechtere Jahre gibt, denn bessere werden folgen. Wirtschaftspartner und Banken sollten gemeinsam mit den Betrieben vor Ort nach Wegen suchen, wie diese herausfordernde Situation überbrückt werden kann. Es muss darum gehen, tragfähige Lösungen zu finden, mit denen unsere Betriebe auch schwierige Jahre überstehen können. Gerade in schwierigen wirtschaftlichen Phasen brauchen wir verlässliche und belastbare Partnerschaften.
Bei der immer größer werdenden Schere von Kosten und Preisen muss die Bundespolitik handeln, deutlich schneller und auch spürbarer als bisher. Es muss alles darangesetzt werden, die existenzgefährdende Kostenentwicklung einzudämmen. Landwirtschaft braucht keine weiteren Belastungen, wir brauchen wettbewerbsfähige Kostenstrukturen und politische Planungssicherheit.
Unsere Landwirtinnen und Landwirte haben in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass sie bereit sind, sich weiterzuentwickeln, in moderne Technik zu investieren und ihre Produktion effizienter zu gestalten. Die Möglichkeiten, noch effizienter zu wirtschaften, sind jedoch nicht unbegrenzt. Irgendwann lässt sich eine Kostensteigerung nicht mehr durch mehr Effizienz auffangen. Deshalb geht es um die wirtschaftliche Grundlage unserer Landwirtschaft. Wenn wir auch künftig eine leistungsfähige, moderne und regionale Landwirtschaft in Deutschland haben wollen, müssen die Betriebe die Möglichkeit haben, mit ihrer Arbeit Geld zu verdienen.
Olaf Feuerborn
Präsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt e. V.
Blick ins Heft:
Das Informationsheft finden Mitglieder in den kommenden Tagen in der Briefpost oder vorab vollständig im Mitgliederportal.

